Jan Philipp Burgard wird als sogenannter Global Reporter für Axel Springer die Nahost-Berichterstattung von Tel Aviv verantworten. Er folgt auf Constantin Schreiber, „der sich als Global Reporter ab dem 1. Mai weiter auf seine Podcast-Formate konzentriert“: Was sich zunächst liest wie die gewöhnliche Pressemitteilung eines Medienkonzerns über eine personelle Veränderung, birgt bei genauerer Betrachtung einige interessante Informationen. Oder wirft Fragen auf, je nach Sichtweise. Denn Burgard, der sich aktuell von einer Herzoperation erholt (und seinen neuen Job erst nach „vollständiger Genesung“ antreten soll), war bis Januar dieses Jahres Chefredakteur der Springer-Zeitung Welt, musste dann aber kurzfristig sein Amt abgeben. Nach Angaben seines Anwalts und des Springer-Konzerns allein aus gesundheitlichen Gründen. Ein paar Tage später allerdings berichteten die New York Times und das Onlineportal Semafor, dass Burgard sich Anfang Januar 2026 Fragen zu „unangemessenem Verhalten“ gegenüber Mitarbeiterinnen auf der Weihnachtsfeier des Verlags hatte stellen müssen.
Die SZ hatte Burgard mehrfach in dieser Angelegenheit kontaktiert, weder er noch sein Anwalt hatten sich dazu geäußert – auch nicht nach der Veröffentlichung eines Textes, in dem eine Journalistin Burgard sexuell übergriffiges Verhalten im Jahr 2020 in Washington vorwarf. Seither war es ruhig um die Personalie geworden; aus der Redaktion der Welt war zu hören, dass man mit dem neuen Chefredakteur Helge Fuhst, der im März 2026 von der ARD gekommen war und Burgards Nachfolge angetreten hatte, durchaus zufrieden sei, es herrsche sogar eine Art Aufbruchsstimmung. In der vergangenen Zeit hatten einige hochrangige Redaktionsmitglieder gekündigt. Der optimistischere Blick in die Zukunft habe mit der Bekanntgabe des neuen, prominenten Springer-Jobs für Burgard nun einen ersten Dämpfer erhalten, heißt es.
Wer loyal zur Konzernspitze ist, kann sich alles erlauben? Diesen Eindruck haben nun einige bei Springer
Bei der internen Bewertung dieser Personalie dürfte es durchaus eine Rolle spielen, dass Fuhst und Burgard sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei der ARD kennen: Burgard war bis 2020 stellvertretender Leiter des ARD-Hauptstadtstudios in Washington, bevor er diese Funktion aufgrund des erwähnten Vorfalls niederlegen musste, die USA einige Monate später „aus familiären Gründen“ verließ und zu Springer wechselte. Vor seiner Zeit in Washington arbeitete er wie später auch Helge Fuhst als Assistent des damaligen WDR-Intendanten Tom Buhrow. Burgard und Fuhst galten lange als befreundet.

Vor allem aber die Tatsache, dass der Springer-Vorstand an Mitarbeitern festhält, wenn sie loyal sind, sich aber nicht so verhalten, wie man es von Führungspersönlichkeiten erwartet, stößt bei Teilen der Belegschaft auf wenig Verständnis, wie Mitglieder der Welt-Redaktion am Telefon berichten. Die SZ hatte im Zuge ihrer Recherchen um den Fall im Jahr 2020 in Washington erfahren, dass diverse hochrangige Springer-Mitarbeiter sich eigentlich zügig wieder von Burgard hatten trennen wollen, nachdem sie Kenntnis von den Vorwürfen erlangt hatten. Dem Vernehmen nach soll es sogar eine Art informelles Beförderungsverbot für ihn gegeben haben, das Springer-CEO Mathias Döpfner dann persönlich im Jahr 2024 mit der Ernennung Burgards zum Chefredakteur übergangen haben soll.
Die andere interessante Personalrochade betrifft einen weiteren früheren ARD-Mann: Constantin Schreiber. Der hatte vor nicht mal einem Jahr seinen Job als Sprecher der „Tagesschau“ abgegeben und war zu Springer gewechselt – als Global Reporter nach Tel Aviv. „Ich bin da eine Art Welterklärer – nein, das klingt zu groß, eher Weltwegweiser – zu Nahost-Themen und zum transatlantischen Verhältnis, für alle Marken“, sagte er im Juni 2025 in einem Interview mit der Zeit. Noch im Januar schrieb er in einem Social-Media-Post: „Raus aus dem Studio, raus aus dem klar Abgesteckten, dem Verlässlichen (...). Hier, im Nahen Osten, fühlt sich vieles unmittelbarer an. Die Gespräche. Die Gegensätze. Die Nähe von Geschichte und Gegenwart.“ Schreiber werde sich weiter auf seine Podcast-Formate konzentrieren, heißt es nun in der Springer-Mitteilung. Und dass der 46-Jährige „künftig aus familiären Gründen aus Deutschland“ arbeiten werde.


