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US-Journalismus:Atemberaubende Karriere

Kaitlan Collins

Da war Kaitlan Collins noch CNN-Reporterin, als sie im Juli 2018 während einer Live-Aufnahme vor dem Weißen Haus spricht.

(Foto: Alex Brandon/dpa)

Kaitlan Collins ist die neue CNN-Chefkorrespondentin für das Weiße Haus. Unter Trump wurde sie von einem Presse-Event verbannt - wegen ihrer unbequemen Fragen.

Von Francesca Polistina

In der langen Nacht der amerikanischen Wahl, jener Nacht, die am 3. November begann, aber erst viele Tage später zu Ende ging, tat Kaitlan Collins das, was sie am besten kann: Sie berichtete über das Weiße Haus. Ob Präsident Donald Trump sich öffentlich schon geäußert habe, wollte das CNN-Hauptstudio unter anderem von ihr wissen. Sie schaute in die Kamera und antwortete ohne Zögern, souverän, als hätte sie jede einzelne Redepause wochenlang studiert.

Die Reporterin ist nun die neue Chefkorrespondentin für das Weiße Haus, wie der Fernsehsender mit Sitz in Atlanta pünktlich zu Beginn der Amtszeit von Joe Biden verkündete. Dass die Berufung auch hierzulande erwähnenswert ist, hat vor allem mit zwei Gründen zu tun. Sie ist eine Frau, was in den höheren Etagen des politischen Journalismus nicht selbstverständlich ist. Und sie ist jung, sehr jung.

Kaitlan Collins ist 1992 in Prattville geboren, einer kleinen Stadt in Alabama im Südosten der USA. Eigenen Angaben zufolge kommt sie aus einer Familie, die nicht politisch ist. Sie studierte Politikwissenschaft und Journalismus an der University of Alabama und arbeitete zunächst für die rechts-konservative Onlinezeitung The Daily Caller als Reporterin für das Weiße Haus. Zu CNN kam sie 2017, wo sie weiterhin über den Präsidenten berichtete.

Sehr jung und eine der einflussreichsten Medien-Persönlichkeiten

Heute gehört Collins zu den einflussreichsten Persönlichkeiten in der amerikanischen Medienlandschaft. Von ihrer fulminanten Karriere bleibt vor allem eine Episode in Erinnerung: 2018 wurde sie von einem Presse-Event im Weißen Haus verbannt, weil sie während eines Meetings zwischen Trump und dem früheren Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, "ungeeignete" Fragen über Wladimir Putin gestellt hatte. Wenig überraschend klingt die Version von Sarah Sanders, damals Pressesekretärin des Weißen Hauses, etwas anders: Collins habe ihre Fragen geschrien und sich trotz der wiederholten Aufforderung geweigert zu gehen. Einige Monate später wurde auch Jim Acosta, Collins Vorgänger als Chefkorrespondent, die Akkreditierung zum Weißen Haus vorübergehend entzogen - was die Beziehungen zwischen Donald Trump und dem Fernsehsender nicht besser machte.

Der Rauswurf soll Collins wenig beeindruckt haben. Jake Tapper, berühmter CNN-Moderator, beschrieb sie einmal so: "Eine der besten Korrespondenten des Weißen Hauses in der Geschichte dieses Landes". Ihr Kollege Andrew Kaczynski sagte: "Sie ist mehr im Fernsehen als so ziemlich jeder andere bei CNN, der keine eigene Show hat." Das ist natürlich mit viel Arbeit verbunden: "Ich lese immer alles und telefoniere ständig mit den Leuten, mit denen Trump auch telefoniert. Ich schaue viele Shows, von denen ich weiß, dass er sie sehen wird, weil das auch hilft", sagte Collins der Zeitschrift InStyle. Sechs Stunden Schlaf sei für sie ausreichend, denn: "Man muss vor den Tweets aufstehen".

Das unerfreulichste Kapitel ihrer Biografie: Kurz nachdem Collins bei CNN landete, tauchten alte homophobe Tweets aus ihrer Universitätszeit wieder auf. Sie wurde stark kritisiert und entschuldigte sich dafür. Alles, natürlich, via Twitter. Dort hat sie mehr als eine Million Follower, Trump hingegen einen gesperrten Account.

© SZ/hy
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