"Club der roten Bänder" auf Vox Viel mehr als eine Soap

Offiziell soll die Produktion keine Jugendserie sein, weil Jugendserien im Hauptprogramm quasi chancenlos sind. Vom Look her ist die Serie aber natürlich wie gemacht für ein sehr junges Publikum. Aber auch wenn sie mit zarten Farben und beinahe übermäßiger Beleuchtung den optischen Anschein einer Soap erweckt, ist sie doch viel mehr.

Es geht ums Leben. Und ums Sterben. Und es ist kein Krimi. Das alles macht Club der roten Bänder so sehenswert, das verschafft der Serie aber gleich ein weiteres Problem. Wer will sich als durchschnittlicher Privatfernsehzuschauer schon mit Krebsdiagnosen befassen, mit glatzköpfigen Protagonisten, die stolz ihre Beinstümpfe in die Kamera halten? So etwas gilt normalerweise als in einer Serie nicht darstellbar. Von Krebs bei Jugendlichen kann man sprechen. Krebs offensiv zeigen? Niemals. Und wenn doch, dann nur in einem jener tristen Mittwochsfernsehspiele der ARD, nach denen man sich dringend eine Schachtel Stimmungsaufheller herbeiwünscht.

Zarte Bande: Emma (Luise Befort) und Jonas (Damian Hardung) verstehen sich gut.

(Foto: Martin Rottenkolber/Vox)

Der Zuschauer blickt in Abgründe, aber er wird auch sanft abgefedert

Das Schöne an dieser Serie ist die hinter der eher flachen Optik lockende Tiefe. Man kann in Abgründe schauen, aber man wird auch sanft abgefedert. Alles in dieser Klinik atmet trotz der Schwere des Themas eine gewisse Leichtigkeit. Genau diese Leichtigkeit darzustellen, war das Ziel des Autors. Zehn Jahre seines Lebens hat er in Kliniken verbringen müssen. Es seien die glücklichsten seines Lebens gewesen, sagt Albert Espinosa heute.

Es sind die flapsigen Sprüche, die vieles in dieser Geschichte erträglich machen. Es sind aber auch jene Momente, in denen auf die Tränendrüse gedrückt wird. Man kann sehr gut weinen bei dieser Serie, wenn man sich drauf einlässt. Dass das weniger schwer ist als man gemeinhin annimmt, liegt vor allem an der sehr fein gecasteten Schauspielertruppe. Alle Darsteller sind in Wahrheit älter als ihre Figuren, liefern aber trotzdem ein stimmiges Bild. Das mag an einer sehr präzisen Regie liegen, die viel Wert aufs Timing legt. Wenn sich die Klinikbewohner Sprüche um die Ohren hauen, kommen sie keine Sekunde zu früh und keinen Tick zu spät.

Sie haben bei Vox alles getan, was nötig war. Die Diagnose ist richtig: Dem deutschen Fernsehen fehlt so eine Serie. Auch die Umsetzung lässt wenig zu wünschen übrig. Jetzt muss die Therapie beim Zuschauer nur noch anschlagen.

Club der roten Bänder, Vox, 20.15 Uhr.

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