Journalismus Clemens Höges wird Teil der "Spiegel"-Chefredaktion

Raus aus der Kommission, rein in die Chefredaktion: Clemens Höges.

(Foto: Axel Heimken/dpa)
  • Clemens Höges soll künftig den Spiegel gemeinsam mit Steffen Klusmann und Barbara Hans führen.
  • Höges gilt in der Redaktion als ausgezeichneter Rechercheur, als einer, der Journalismus in erster Linie als Handwerk versteht.
Von Laura Hertreiter

Der Spiegel beruft Clemens Höges in die Chefredaktion und beendet damit ein monatelanges Provisorium. Am Dienstag teilte der Verlag mit, dass der 57-Jährige das Hamburger Nachrichtenmagazin künftig gemeinsam mit Steffen Klusmann und Barbara Hans führt. Mit dieser Entscheidung soll die personelle Schlingerpartie enden, die seit dem Fall Relotius an der Spiegel-Spitze herrscht.

Der Betrug des preisgekrönten Reporters Claas Relotius, der im Spiegel wie zuvor schon in anderen Medien teils erfundene Figuren und manipulierte Zitate veröffentlicht hatte, war im Dezember 2018 bekannt geworden. Gut drei Monate später erklärte der damalige designierte Chefredakteur Ullrich Fichtner seinen Verzicht auf das Amt. Er gilt als Entdecker und Förderer von Relotius und muss sich nun mit einem Posten als Reporter mit besonderen Aufgaben begnügen.

Stattdessen rückt Höges in die Chefetage auf, und damit einer, mit dem man sich von den Vorfällen offenbar so weit wie möglich distanzieren will. Clemens Höges, seit 1990 beim Spiegel, gilt in der Redaktion als ausgezeichneter Rechercheur, als einer, der Journalismus in erster Linie als Handwerk versteht. In letzter Zeit stand er vor allem als Aufklärer des Betrugsfalls Relotius in der Öffentlichkeit, weil er in einer Kommission mit den Kollegen Brigitte Fehrle und Stefan Weigel den Betrugsfall aufarbeiten soll.

Am Freitag erst sprach Höges beim Reporterforum in Hamburg darüber, dass es dabei um "absolute Transparenz" gehe, dass der Fall "die ganze Branche" angehe, dass man das "Vertrauen der Leser" wiederherstellen müsse. Über Ergebnisse sprach er nicht. Die wolle man wie geplant bis zu den Sommerferien vorlegen, heißt es beim Spiegel. Dann allerdings ohne Clemens Höges, der sein Amt in der Kommission laut Mitteilung vom Dienstag "mit sofortiger Wirkung" niederlegt.

Höges war beim Spiegel Korrespondent in Leipzig und Washington, 1998 wurde er Leiter des Deutschlandressorts. Zehn Jahre später wechselte er als Reporter ins Auslandsressort und übernahm dessen Leitung 2012. Von 2014 bis 2015 war er schon einmal an der Spitze, als stellvertretender Chefredakteur unter Wolfgang Büchner, der das Magazin im Jahr darauf verließ. Anschließend arbeitete Höges als Autor im Auslandsressort. Seit Januar 2019 ist er interimistisch als Blattmacher tätig. Diese Position soll er laut Mitteilung des Verlags "in Personalunion zunächst weiter ausüben".

Journalismus Fall Relotius: Ullrich Fichtner wird nicht "Spiegel"-Chefredakteur

Fälschungsskandal

Fall Relotius: Ullrich Fichtner wird nicht "Spiegel"-Chefredakteur

Auch Matthias Geyer, der Relotius redaktionell betreut hatte, wird degradiert - allerdings auf eine für alle Seiten gesichtswahrende Art.   Von David Denk