Claus Theo Gärtner Bartwuchs und andere Privilegien

SZ: Nach 29 Jahren trägt Matula das erste Mal Bart. Wie kam es dazu?

Gärtner: Ich war im Urlaub und hatte meinen Rasierapparat vergessen. Am vierten Tag wollte ich mir einen kaufen. Aber meine Frau hat gesagt, ich soll ihn für den Urlaub dran lassen. Dann hab ich mich so an den Bart gewöhnt, dass ich ihn gar nicht mehr abrasiert habe. Nach vier Wochen Indien kam ich ins Produktionsbüro. "Oh Gott: Ein Bart." Die waren echt schockiert. Ich wollte ihn aber dran lassen. Die Produktionsleitung war strikt dagegen, die Figur zu verändern. Also haben wir eine Musterszene aufgenommen. Danach waren alle der Meinung, der Bart bleibt dran.

SZ: Wie viel Pflege müssen sie aufwenden?

Gärtner: Ganz wenig.

SZ: Ihre Maskenbildnerin hat erzählt, Sie stutzen den Bart einmal pro Woche.

Gärtner: Aber sie nennt das Kontur.

SZ: Sie hat auch gesagt, dass Sie glücklicherweise sehr geringen Bartwuchs hätten und dass sie deshalb wenig Aufwand mit der Pflege hätte.

Gärtner: Hier an den Wangen zum Beispiel wächst mir kein Bart. Nur am Kinn, wie bei Ho Chi Minh.

SZ: Haben Sie am Set auch andere Eigenheiten durchgesetzt?

Gärtner: Es gibt da schon Privilegien. Es ist ja bekannt, dass der Service stimmen muss, damit die Schauspieler die optimale Leistung bringen. Ich habe das Privileg, erst um zehn anzufangen. Die Drehtage beginnen um neun, oder um acht. Ich komm um zehn. Die Dispo legt meine Szenen entsprechend.

SZ: Wie lange machen Sie das noch?

Gärtner: Vor zehn Jahren habe ich gesagt: Das mache ich jetzt noch zwei Jahre, dann wurden es noch zwei, dann noch zwei. Also: Keine verlässliche Prognose möglich. Ich würde mich zu Tode langweilen, wenn ich das nicht mehr machen würde.

SZ: Nehmen wir an, das ZDF sagt in einem Jahr: Ein Fall für zwei wird abgesetzt. Wie reagieren Sie?

Gärtner: Überrascht, weil die Serie nach wie vor viele sehen wollen. Sie ist Kult. Es gibt sogar Bands, die Lieder über Matula geschrieben haben. Bei einer war ich mal auf dem Konzert: Superpunk. "Matula, hau mich hier raus, du hast es mir versprochen. Ma-tu-la".

SZ: Nehmen wir an, es geht dennoch irgendwann zu Ende. Beziehen Sie dann ein Strandhaus auf den Bahamas und genießen Ihren Ruhestand?

Gärtner: Das würde ich machen und es vierzehn Tage lang wunderbar finden. Aber dann müsste wieder was Neues passieren.

Ermittler-Urgestein: Josef Matula

Ein Fall für Einen