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Claus Kleber im "heute-journal":Den Tränen nahe

Als er die persönliche Ansprache eines Busfahrers aus Erlangen zitiert, versagt Claus Kleber im "heute-journal" die Stimme. Das Netz feiert ihn dafür.

Es war 22.05 Uhr, als dem Moderator Claus Kleber im heute-journal vor laufender Kamera die Kontrolle abhanden kam. Kleber referierte in dunkelblauem Sakko, Hemd und Krawatte. Wie so oft in diesen Tagen ging es um den Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland. Doch in der 21. Minute passierte etwas, das im Netz mittlerweile seinen eigenen Nachrichtenwert entfaltet hat: Dem Journalist Kleber versagte fast die Stimme. Unverkennbar rührte ihn das, was er da gerade vorlas, beinahe zu Tränen.

Eigentlich ging es dabei nur um eine kleine Geschichte aus Bayern, die das Online-Portal Krautreporter.de aufgetan hatte. Ein Busfahrer aus Erlangen hatte in den vergangen Tagen mit einer Lautsprecherdurchsage für Schlagzeilen gesorgt: Sven Latteyer hatte in seinem Stadtbus 15 Flüchtlinge bemerkt und spontan zum Mikrofon gegriffen. Latteyers Worte wiederholte Kleber schließlich am Mittwoch im seiner Nachrichtensendung:

Flüchtlinge in Bayern Busfahrer heißt Flüchtlinge willkommen - und wird gefeiert
Erlangen

Busfahrer heißt Flüchtlinge willkommen - und wird gefeiert

"I want to say welcome to my country": Als Flüchtlinge in seinen Linienbus in Erlangen steigen, will Sven Latteyer eine nette Durchsage machen. Was dann kommt, findet er unglaublich.   Von Olaf Przybilla

"Excuse me Ladies and Gentlemen, from all over the world in this Bus - I want to say something. I want to say welcome. Welcome to Germany, welcome to my country. Have a nice day!" Als Kleber schließlich den Gruß des Busfahrers übersetzte, versagte ihm fast die Stimme, er kämpfte mit den Tränen - wenn auch nur für wenige Sekunden. Wieder gefasst, übergab er mit den Worten "es kann manchmal so einfach sein" an seine Kollegin Gundula Gause.

Dass Kleber in seiner Sendung kurzzeitig die journalistische Distanz abhanden kam, hat ihm auf Twitter und Facebook bis dato kaum jemand übel genommen. Vielmehr erntet der 59-Jährige im Netz Lob und Sympathie. "Danke für die durchschimmernden Emotionen", schreibt etwa ein Nutzer. "Rührend" und "authentisch" befinden andere. Ähnlich lauten die Reaktionen auf Facebook und Youtube.

Kleber selbst wundert sich über den Zuspruch. "Seltsam. So viel versendet sich. Dann springt einem mal ein Frosch in Hals - whoom macht das Netz Aber nett. Danke", twitterte Kleber etwas verklausuliert am Donnerstagvormittag.

Mittlerweile hat Kleber sich in einem zweiten Tweet zu dem Vorfall geäußert. "Ich reagiere manchmal auf positive Kleinigkeit emotionaler als auf große Story. Nicht sehr professionell. Aber okay?", fragte er darin. Mehr als 900 seiner Follower - mehr als je zuvor bei einem Kleber-Tweet - beantworten diese Frage innerhalb weniger Stunden mit ja, indem sie den Tweet favorisierten.