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Fälschungen beim "Spiegel":Journalist Claas Relotius gibt Reporterpreise zurück

The building of the publishing company of German news magazine Der Spiegel in Hamburg Germany 02

Vieles an Relotius' jüngst ausgezeichnetem Text sei "wohl erdacht, erfunden, gelogen" gewesen, gab der Spiegel bekannt.

(Foto: imago/Lars Berg)

Das hat das Reporter-Forum bekannt gegeben. Der "Spiegel"-Reporter hat zugegeben, in großem Umfang eigene Geschichten manipuliert zu haben.

Der Journalist Claas Relotius hat seine vier Reporterpreise zurückgegeben. Das gab die Jury des Reporter-Forums bekannt. Relotius habe sich von sich aus per SMS an das Gremium gewandt und sich entschuldigt, heißt es in einer Pressemitteilung. Er kam damit einer möglichen Aberkennung zuvor. Die Jury des Reporter-Forums hatte bereits erklärt, über mögliche Konsequenzen zu beraten. "Wir sind entsetzt und wütend über die geradezu kriminelle Energie, mit der Claas Relotius auch uns getäuscht hat", gab sie am Mittwoch bekannt.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte zuvor publik gemacht, dass der 33-jährige Reporter im großen Umfang eigene Geschichten manipuliert habe. Relotius hat die Fälschungen zugegeben und das Haus mittlerweile verlassen.

Erst Anfang Dezember war der Journalist zum vierten Mal mit dem Deutschen Reporterpreis ausgezeichnet worden. Seine Reportage "Ein Kinderspiel" erzählt von einem syrischen Jungen, der im Glauben lebt, durch einen Streich den Bürgerkrieg im Land mit ausgelöst zu haben. Die Jury, besetzt mit wichtigen Journalisten, würdigte damals die Geschichte als einen Text "von beispielloser Leichtigkeit, Dichte und Relevanz, der nie offenlässt, auf welchen Quellen er basiert". Am Mittwoch erklärte der Spiegel dann, vieles darin sei "wohl erdacht, erfunden, gelogen". Die Reporterpreise sind nicht die einzigen Auszeichnungen, die Relotius für seine Arbeit bekam. So erhielt er unter anderem den Liberty Award, den European Press Prize und den Peter-Scholl-Latour-Preis. Letzterer wurde Relotius bereits am Mittwoch aberkannt.

In eigener Sache SZ-Magazin vom Fall Relotius betroffen
SZ-Magazin

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SZ-Magazin vom Fall Relotius betroffen

Auch das "SZ-Magazin" hat im Jahr 2015 zwei manipulierte Interviews von Claas Relotius veröffentlicht, der umfangreiche Fälschungen im "Spiegel" eingestanden hat.