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Medienkolumne "Abspann":Die böse Frau Strobl

Christine Strobl

ARD-Programmchefin Christine Strobl baut mit Stellvertreter Florian Hager und Chefredakteur Oliver Köhr das Erste um.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Die Berliner Grünen kennen den wahren Grund für die umstrittene Programmreform im Ersten. Echt jetzt?

Von Claudia Tieschky

Die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl kann für vieles was, sie ist zum Beispiel eher grundsätzlich nicht aufs Liebsein versessen. Im Moment wird sie dafür bezahlt, dass sie dem Ersten eine Rosskur zumutet, weil das Publikum zu alt ist. Die halbe ARD, wichtige Korrespondenten und viele Zuschauer sind inzwischen - aus guten Gründen - auf der Zinne, weil Strobl, ihr Stellvertreter Florian Hager und Chefredakteur Oliver Köhr ausgerechnet an den extrawertvollen öffentlich-rechtlichen Sendungen Weltspiegel und den Politmagazinen herummachen und auf eine andere, angeblich digital besser konsumierbare Machart setzen. Strobl hält sich im Gegenzug nicht damit auf, den Aufruhr zu besänftigen, sondern hält stramm dagegen mit Ansagen wie: "Ein Sendeplatz alleine schafft noch keine Relevanz."

Die Landesarbeitsgemeinschaft Medien der Berliner Bündnis-Grünen (LAG) will nun ausgemacht haben, was wirklich hinter all dem steckt. Die LAG "kann sich des Eindrucks nicht erwehren", wie es spitzfindig heißt, dass bei "der machtbewussten neuen Programmchefin der ARD, Christine Strobel (sic!)", eine "gewisse politische Agenda mitschwingt", wenn es darum gehe, "die Informationskompetenz der ARD in die reichweitenarme lineare Sendezeit zu verdrängen".

So haben es die Grünen hinbekommen, gegen die Programmreform eine allgemein bekannte Tatsache ins Feld zu führen, mit der Strobl seit jeher offen umgegangen ist: dass sie die Tochter von Wolfgang Schäuble, selbst Unionsmitglied und die Ehefrau des Baden-Württembergischen CDU-Innenministers Thomas Strobl ist. Der arbeitet dort zwar als Junior-Koalitionspartner der Grünen, aber das sind womöglich einfach ein paar Details zu viel für die Medienfreaks der Grünen in Berlin und diese tolle Geschichte von der schwarzen Unterwanderung der ARD. Null Hemmung vor persönlichen Angriffen ohne Beleg? Nur gegen die Frau, nicht gegen die beiden Männer von der ARD-Reformgruppe? Auch wir können uns eines Eindrucks nicht erwehren, und zwar eines miserablen Eindrucks: Anders als diese komische ARD haben die Grünen bereits verinnerlicht, was gut klickt.

© SZ
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