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Thomas Langheinrich über N 24:"Es gibt eine unternehmerische Freiheit"

sueddeutsche.de: Einerseits werden bei N24 mindestens 72 Stellen abgebaut, anderseits will Neu-Eigentümer Aust Videojournalisten einstellen - wie ist das zu bewerten?

Langheinrich: Da fehlen uns noch die harten Fakten. Es gibt eine unternehmerische Freiheit, wie sich ein Betrieb organisieren kann. Letztlich muss man sich am Ergebnis messen lassen.

sueddeutsche.de: Wie viele Minuten Nachrichten soll ein großer TV-Sender anbieten?

Langheinrich: Wir haben im aktuellen Programmbericht gezeigt, dass das gemeinsame Nachrichtenvolumen von Sat.1, ProSieben und kabel eins unter einer Stunde pro Tag liegt. RTL, RTL II und VOX kommen zusammen auf 1 Stunde und 45 Minuten. Es gibt also große Differenzen bei den Sendergruppen. In Großbritannien gibt es private Veranstalter, die teilweise auch in Deutschland vertreten sind, denen das dortige Mediensystem klar vorschreibt, wie viele Minuten Nachrichten und Information, wie viele Minuten Kindersendungen und so weiter nötig sind.

sueddeutsche.de: Großbritannien als Vorbild?

Langheinrich: Ja - auch in Zusammenhang mit internationalen Medienfinanzinvestoren, die sich bei uns in die Medien einkaufen und welche Vorteile soll so ein Sender auch haben können.

sueddeutsche.de: Und welche Vorteile könnten das sein?

Langheinrich: Einfaches Beispiel für ein Anreizsystem war in der Vergangenheit ein Platz im analogen Kabelsystem. Heute wäre ein Anreiz, in den elektronischen Programmführern einen bevorzugten Platz ganz vorne zu bekommen. Auf Platz eins ist beispielsweise die ARD, auf Platz zwei ist das ZDF und danach folgen einige Plätze, die begehrt sind in einem unter Umständen 900 Plätze umfassenden System.

sueddeutsche.de: Sixx, ein nachrichtenfreier Frauensender, ebenfalls aus der Pro-Sieben-Sat-1 Gruppe würde also nicht an sechster Stelle stehen, sondern eher an Position 600?

Langheinrich: Das koennte so sein.

sueddeutsche.de: Eine andere Möglichkeit wäre ein bestimmtes Kostenvolumen vorzuschreiben. Die Sendergruppe Pro-Sieben-Sat-1 hat angekündigt für die Nachrichten 30 Millionen an die neue N24-Gruppe auszugeben. Reicht das aus?

Langheinrich: Die starke Kürzung von Geldern für Nachrichten um die fast die Hälfte lässt berechtigte Zweifel, ob damit noch adäquate Berichterstattung gewährleistet werden kann.

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