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Fußballübertragung:Womöglich kehrt die Champions League ins Free-TV zurück

Die Fernsehrechte an der Königsklasse sind extrem wertvoll - und für frei empfangbare Sender fast unbezahlbar. Im Poker mit den Pay-Anbietern haben sie jetzt neue Chancen.

Jürgen Klopp erfreut sich großer Beliebtheit in Deutschland, obwohl er schon vor vier Jahren der Bundesliga den Rücken gekehrt hat. Damals gab er seinen Job bei Borussia Dortmund auf, heuerte im Oktober 2015 beim FC Liverpool und war mit den "Reds" erfolgreich, was seine Popularität hierzulande eher noch steigerte. So war die Aufregung in Deutschland im vergangenen Mai auch groß, als der Liverpool-Sieg im Champions-League-Finale nicht im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen war, sondern ausschließlich im Bezahlfernsehen.

Dass das in Zukunft nicht mehr vorkommt, dafür hat die Uefa, der europäische Fußballverband, jetzt vorgesorgt. An diesem Dienstag endet die Frist für die Ausschreibung der deutschen Fernsehrechte an der Champions League. Es ist ein Millionenpoker, der da läuft. Denn die Ware Fußball ist für die Fernsehanbieter wichtig. Es gibt kaum noch große Live-Ereignisse, die viele Menschen interessieren und für gute Einschaltquoten oder für den Abschluss langjähriger Abonnementverträge sorgen - die europäische Königsklasse, in der die besten Mannschaften der jeweiligen nationalen Ligen spielen, gehört dazu.

Bei der aktuellen Ausschreibung für die deutschen Fernsehrechte geht es um einen Zeitraum von drei Jahren, nämlich von der Saison 2021/22 bis 2023/24. In der laufenden und der kommenden Saison bleibt also erstmal alles, wie es ist: Die Spiele sind nahezu ausschließlich im Bezahlfernsehen zu sehen - bei Sky und bei dem Streaminganbieter Dazn. Kommt danach der europäische Fußball ins frei empfangbare Fernsehen zurück? Möglicherweise - und zumindest ein wenig, doch das hängt von vielen Faktoren ab.

Die Ausschreibung sieht nach SZ-Informationen mehrere Rechtepakete vor, für welche die Interessenten einzeln oder zusammen bieten können. Das Paket D umfasst danach nur die Rechte für das Endspiel, dies kann also alleine von frei-empfangbaren Sendern ersteigert werden - es ist das erste Mal, dass nur ein Spiel in einem Rechtepaket ist. Schafft es übrigens eine deutsches Mannschaft ins Champions-League-Endspiel, würde der Rundfunkstaatsvertrag greifen - eine Übertragung im frei empfangbaren Fernsehen wäre dann zwingend.

Daneben gibt es zwei weitere Rechtepakete der Klasse C, wer diese erwirbt, darf Zusammenfassungen der Höhepunkte der beiden Champions-League-Spieltage Dienstag und Mittwoch zeigen - und zwar relativ bald nach dem Abpfiff der Begegnungen. Auch diese Rechtepakete wären für das frei empfangbare Fernsehen interessant; damit könnten Zuschauer ohne Pay-TV-Abo künftig am späten Abend wenigstens die Höhepunkte sehen.

ZDF und RTL gelten als Interessenten für eine Lösung, bei der Höhepunkte gezeigt werden

Als mögliche Interessenten gelten dabei ZDF und RTL, der Privatsender aus Köln hat zuletzt mit dem Übertragungen von Länderspielen Quotenerfolge erzielen können. Ob auch Pro Sieben Sat 1 mitbietet, ist fraglich. Konzernchef Max Conze sagte zuletzt zwar, man schaue sich alle Ausschreibungen "sehr genau" an, fügte aber auch an: "Die Realität ist, dass der Erwerb dieser sehr teuren Rechte ökonomisch schwierig zu vertreten ist." Interessant sind die Rechtepakete gleichzeitig auch für Online- oder Streaminganbieter.

Im Angebot sind daneben die deutlich größeren und wertvolleren Rechtepakete der Klassen A und B. Letzteres umfasst fast alle Live-Rechte eines Spieltages. Bei A darf der Bieter jeweils eine Top-Partie an den Spieltagen Dienstag und Mittwoch auswählen und diese dann exklusiv zeigen. Interessenten für diese Live-Pakete dürften vor allem Sky und Dazn sein, die sich schon jetzt nach einem bestimmten Schlüssel die Übertragung teilen. Daneben könnte es weitere Bieter geben wie Amazon oder die Deutsche Telekom.

Bei der letzten Ausschreibung hatten die frei empfangbaren Sender übrigens das Nachsehen, die Rechte gingen damals an die Bezahlanbieter. So ist die Champions League seit der Saison 2018/19 nur noch dort zu sehen. Davor hatte das öffentlich-rechtliche ZDF sechs Jahre lang Spiele gezeigt. "So bitter das für das ZDF ist, wir können bei dieser Preisspirale nach oben nicht immer weiter mitmachen", sagte damals ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann, als klar war, dass der Sender nicht mehr zum Zug kommt. Der Verlust der Champions-League-Spiele schmerze, fügte er an. Zuletzt wurde wieder Interesse signalisiert - "zu vertretbaren Konditionen".

Ob die Preise allerdings wirklich "vertretbar" sind, darf bezweifelt werden. Die Champions-League-Fernsehrechte für Deutschland bringen der Uefa derzeit geschätzt bis zu 200 Millionen Euro im Jahr ein. Experten halten jetzt eine Steigerung um etwa 20 Prozent in der laufenden Ausschreibung für möglich. Diese wird im Auftrag der Uefa von der Sportrechteagentur Team ausgerichtet, die ihren Sitz in Luzern in der Schweiz hat und zum Medienunternehmen Highlight Communication gehört. "Die schauen nur auf das Geld", kritisiert ein Beteiligter, Team sei also auf eine Maximierung des Erlöses aus. Andere Aspekte würden dem untergeordnet. Das sind etwa die Wünsche der Fans oder das Interesse von großen Sponsoren. Diese sind an einer stärkeren Präsenz im frei empfangbaren Fernsehen interessiert, weil sie dort mehr Menschen erreichen. So brachte es das ZDF auf bis zu neun Millionen Zuschauer bei wichtigen Spielen des FC Bayern München. Bei Sky sind es deutlich weniger. In Großbritannien beispielsweise ist die Champions League auch nur gegen Bezahlung zu sehen, beim Telekommunikationsunternehmen BT und bei Sky. Dort sind die Einnahmen der Uefa noch höher, die TV-Rechte an der Champions League bringen etwa 470 Millionen Euro im Jahr ein.

Im nächsten Jahr werden dann die Rechte an der Bundesliga vergeben: für noch mehr Geld

Nach der Ausschreibung ist vor der Ausschreibung: Im kommenden Jahr wird die Deutsche Fußball Liga (DFL) die TV-Rechte an der Bundesliga neu vergeben. Diese bringen deutlich mehr Geld ein, derzeit etwa 1,3 Milliarden Euro pro Saison. Derzeit prüft noch das Kartellamt, möglicherweise werden schon in den ersten Wochen des neuen Jahres die Unterlagen mit den konkreten Rechtepaketen an Interessenten versendet. Bis zum Frühsommer könnte der Zuschlag erfolgen. Auch hier gilt: Sky und die Streaming-Plattform Dazn sind dringend auf die Rechte angewiesen, um für ihre Abonnenten attraktiv zu bleiben. Daneben gibt es weitere Interessenten wie ARD, ZDF, RTL, Amazon, die Deutsche Telekom (die zuletzt die Rechte an der Fußball-EM 2024 erwarb) und einige weitere.

Für Spannung ist also gesorgt - nicht nur auf dem Platz.

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SZ vom 03.12.2019/biaz
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