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Casting-Show in Malaysia:Gutaussehende Kandidaten

Imam Muda dagegen will ein freundliches, junges Bild des Islam vermitteln. Bewerber für die Show müssen keinen speziellen Hintergrund vorweisen, auch Studenten, ein Bauer, ein Rhetorik-Trainer und ein Bankangestellter möchten Malaysias Super-Imam werden. Die Kandidaten sind entsprechend weit weg vom Klischee des alten, bärtigen Vorbeters, der gegen westliche Werte wettert. In der Sendung tragen sie oft Jeans oder Fußballtrikots . Um die Jury von ihrer Tauglichkeit zu überzeugen, müssen sie nicht nur Koran-Verse zitieren, sondern sich auch als sozial engagierte Vorbilder beweisen. Sie treffen und beraten schwangere, alleinstehende Frauen, Waisenkinder oder Verkehrssünder. Während die Show läuft, wohnen die jungen Männer abgeschottet von ihren Familien in einer kleinen Herberge auf einem Moschee-Gelände.

30.000 Fans auf Facebook

Die Verantwortlichen der Sendung betonen, man achte penibel darauf, keine religiösen Gefühle zu verletzen, das Konzept sei eng mit den Behörden abgestimmt. Ziel von Imam Muda sei es, Bewerbern wie Zuschauern ihre Religion auf unterhaltsame Art näherzubringen, sagt der Produzent. Das kommt offenbar an beim Publikum. Jeden Freitagabend sitzen angeblich vor allem junge Menschen in Malaysia vor dem Fernseher, um die neue Folge zu sehen.

Mehr als 30.000 Fans der Show haben sich auf der Internetplattform Facebook registriert. "Für mich ist es mehr als nur eine Talentsuche", sagt zum Beispiel Memei Mansor. Die angehende Krankenschwester aus Kuala Lumpur nennt die Sendung einen persönlichen "Weckruf", der ihr zeige, wie "ein Muslim sein sollte". Außerdem macht die 23-Jährige keinen Hehl daraus, dass sie sich die Show nicht nur zur religiösen Erbauung anschaut - sondern auch, weil die Kandidaten "so gut aussehen". Die meisten Teilnehmer der Sendung könnten es wohl tatsächlich als Model probieren, wenn es mit dem Posten als Imam nicht klappt.