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Cartoons:"Welchen Spaß die Gesellschaft zu verstehen bereit ist"

Die Zeichnung gibt einen guten Blick frei auf die Arbeit Hubbes, die im Grunde nie von wattebauschiger Rücksichtnahme oder hysterischem Zynismus verunreinigt ist. Hubbes Grundton ist, bei allem Recht auf schlechte Laune, eine konsequente Heiterkeit, die selbst im erregungssüchtigen Deutschland kaum jemand als übertrieben empfindet. Der Cartoonist John Callahan, der nach einem Suffunfall querschnittsgelähmt blieb und bei dem nicht nur die Strichführung als grob zu bezeichnen war, hatte für Hassbriefe noch eine eigene Rubrik auf seiner Webseite. Das habe er nicht, sagt Phil Hubbe, und er sagt, er bedauere es sogar ein wenig, dass ihm die Leute oft nur nett schrieben. "Es ist kein so gutes Gefühl, es immer allen recht zu machen, man könnte sich ja an Widerspruch viel besser abarbeiten".

Nun ist es aber einerseits so, dass gewisser Zuspruch durchaus das Herz wärmt und es erweicht. Eine Frau hat Hubbe vor einer Weile geschrieben, ihr erkrankter Mann habe dank MS Rainer das erste Mal nach fünf Jahren wieder lachen können. Es ist zudem andererseits auch so, dass Hubbe dann und wann durchaus Widerspruch erhält, zuletzt im größeren Stil sehr bezeichnenderweise mit einer Karikatur, die mit Behinderungen nullkommagarnix zu tun hatte. Nachdem Hans-Dietrich Genscher gestorben war, hatte Hubbe diesen im Bett liegend gezeichnet, daneben den Tod und über ihm eine Sprechblase: " ... zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre ... äh ... Ausreise ..."

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"Kein Humor bedeutet auch Ausgrenzung", sagt Hubbe, das habe man ja bei verschiedenen Gruppen von Einwanderern in den USA gesehen. Diese hätten sich im Sinne der Integration erst so richtig ernst genommen gefühlt, als der Unterhaltungsbetrieb begonnen hatte, auch über sie Witze zu machen.

Wobei man da leider immer schnell vor der Frage steht, wer denn auf wessen Kosten lachen darf. In Phil Hubbes Reihe "Behinderte Cartoons" gibt es Gleichberechtigung auch in der Weise, dass es gar nicht immer die Behinderten sind, mit denen oder über die am Ende gelacht werden soll. So sitzen auf einer Zeichnung zwei Kinder stumm nebeneinander auf einer Parkbank, das eine twittert, das andere wischt sich auf dem Handy durch Facebook. "Taubstumm?", fragt eine Frau irritiert ihre Begleitung mit Blick auf die Bank. Die Begleitung antwortet kurz: "Schlimmer!"

Ein Gefühl dafür, wie viel und welchen Spaß die Gesellschaft zu verstehen bereit ist

Phil Hubbe produziert Bücher, er bestückt Ausstellungen und Messestände. Die Regionalzeitungen, die sich Karikaturen leisten wollen und können, werden zwar weniger, aber es gibt auch sie noch. Und der Chefredakteur des kicker sucht inzwischen routiniert als erstes nach dem Maulwurf, den Hubbe in jeder seiner Zeichnungen für das Sportmagazin versteckt.

Wer an so vielen Fronten zeichnet, der entwickelt auch ein Gefühl dafür, wie viel und welchen Spaß die Gesellschaft zu verstehen bereit ist. Für die Humorfachabteilung Behinderung kann Hubbe guten Gewissens eine gewisse Entspannung vermelden. Auch Hubbe war erstaunt, als die Leute sich an der Kinokasse ziemlich plötzlich wegen der ziemlich besten Freunde drängelten und von Minute eins des französischen Films an laut lachten. Da hätte er nur gerne mal das Licht angemacht, um zu schauen, ob auch dann weitergelacht wird. Denn: "Wenn sie sich beobachtet fühlen, trauen sich das viele immer noch nicht so richtig."

Auch an Zuschriften merkt Phil Hubbe, dass das Feld, das er bestellt, ein gedeihliches ist. Er, doch, wirklich: schmunzelt jetzt sogar, als er in seinem Atelier von der Post erzählt, die ihn so erreiche. Neulich habe sich eine Frau bei ihm beschwert. Es sei ja ganz toll, was er so mache, sie aber leide an Schuppenflechte und wie, bitte, könne es denn angehen, dass er dazu noch keine einzige Zeichnung fabriziert habe?

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