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Cartoon-Serie "Burka Avenger":Burka Avenger statt Wonder Woman

Kritischer zeigt sich die Schriftstellerin und Journalistin Bina Shah. Die Burka sei ein Werkzeug der Unterdrückung, schreibt sie in ihrem Blog und fragt: "Ist es richtig, die Burka 'cool' aussehen zu lassen und Mädchen das Bild zu vermitteln, dass sie durch die Burka Macht bekommen, anstatt sie zu verlieren?"

Dass die Burka allerdings nicht immer für Machtlosigkeit stehen muss, beweisen die Ninja Turtles. Gemeint ist damit nicht die Zeichentrickserie, die von verstrahlten Schildkröten handelt, Ninja Turtle, so werden in Pakistan Frauen genannt, die im Schutz der Burka kleine Verbrechen begehen - zu schnell Autofahren zum Beispiel oder Ladendiebstahl. Diese Frauen passen sich dem System an und gewinnen dadurch die moralische Oberhand. Ihre Burka wird so zu einer Art Schutzschild.

Radikalkur Wonder Woman

Szenen aus arabischen Superhelden-Comics

Entfernte Verwandte von Superman

Die Hauptdarstellerin von Burka Avenger ist so ein Ninja Turtle. Wenn die Lehrerin Jiya sich verschleiert, dann schützt sie damit ihre Identität - den schwächsten Punkt jedes Superhelden. Batman oder Spiderman mögen unbesiegbar sein, doch wenn Bruce Wayne geschlagen ist, stirbt auch Batman und wenn Peter Parker wieder Liebeskummer hat, ist auch auf Spider-Man kein Verlass mehr.

Superkräfte sind sicherlich hilfreich, zum Helden werden all diese Figuren aber erst durch ihr Kostüm. So auch die Bücher werfende Jiya alias Burka Avenger. Dass es ausgerechnet ein Symbol der Unterdrückung ist, das hier für die Emanzipation herhalten muss, ist interessant, irgendwie schräg und gleichzeitig naheliegend. "Die Burka wird in der Sendung nicht als Zeichen der Unterdrückung dargestellt", beschwichtigt Haroon. "Da sie eine Frau ist, hätten wir sie als Catwoman oder Wonder Woman verkleiden können, aber in Pakistan hätte das wahrscheinlich nicht funktioniert."

Haroons Argument ist sowohl ausweichend als auch ehrlich. Ausweichend, weil es noch lange nicht erklärt, warum Jiya eine Burka trägt und nicht irgendein anderes Superheldenkostüm. Ehrlich, weil es die soziale Realität des Landes anerkennt. Catwoman und Wonder Woman auf Pakistan loszulassen, das wäre zwar die feministische Radikalkur. Ob es jedoch zu mehr als einer Abwehrreaktion führen würde, ist fraglich.

Bleibender Fortschritt, das ist die Aussage von Burka Avenger, lässt sich nur dann erreichen, wenn die Grenzen des Systems Schritt für Schritt ausgeweitet werden. Ebenso wie es Yusafzai macht, indem sie wieder zur Schule geht, oder die Ninja Turtles, die das Kleidungsstück als Schutz benutzen. So seltsam es klingen mag: Vielleicht muss man sich in Pakistan eine Burka anziehen, um für die Freiheit zu kämpfen.