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Canan Coşkun:Türkische Journalistin zu zwei Jahren Haft verurteilt

Die Gerichtsreporterin Canan Coşkun arbeitet seit sechs Jahren bei der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet.

(Foto: privat)
  • Canan Coşkun, Gerichtsreporterin der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet, ist in der Türkei zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.
  • Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, über eine Akte berichtet zu haben, die sensible Inhalte enthalten habe.
  • Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Coşkun will Berufung einlegen.

Eine Journalistin der regierungskritischen türkischen Zeitung Cumhuriyet ist zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht in Istanbul sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass Canan Coşkun "mit dem Kampf gegen den Terror beauftragte Personen zur Zielscheibe gemacht" habe, berichtete die Cumhuriyet.

Coşkun, die unter anderem über Gerichtsprozesse für ihre Zeitung berichtet, bleibt zunächst auf freiem Fuß, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur, ihr Anwalt habe Berufung eingelegt. Hintergrund ist ein Artikel Coşkuns, in dem sie über die Ermittlung gegen Anwälte berichtet, denen Verbindungen zur verbotenen linksextremistischen DHKP-C vorgeworfen wird. Die Staatsanwaltschaft argumentierte laut Cumhuriyet, dass die Akte sensible Inhalte enthalten habe, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien.

In einem Interview mit der SZ im März dieses Jahres sagte Coşkun, sie habe durchaus Angst vor den Repressionen gegenüber Journalisten in der Türkei. Trotzdem wolle sie ihren Beruf weiter ausüben. "Als Journalistin", so Coşkun, "ist es meine Aufgabe, all denen eine Stimme zu geben, die unterdrückt werden und die ansonsten niemand hören würde."

Anfang dieser Woche war ein Kollege Coşkuns, der Cumhuriyet-Journalist Erdem Gül, in einem Berufungsverfahren freigesprochen worden. Er war vor zwei Jahren wegen Geheimnisverrats verurteilt worden, weil er im Jahr 2015 über türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien berichtet hatte.

© SZ.de/luch/dpa/biaz
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