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Interview mit Campino:"Da gab's auch mal Sachen, bei denen sie sich beschwert hat"

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Campino, mit bürgerlichem Namen, Andreas Frege, ist seit mehr als 40 Jahren der Leadsänger der "Toten Hosen".

(Foto: Andreas Rentz/Getty Images)

Der Frontmann der "Toten Hosen" erklärt, warum er bei Kritik der Journalistin Birgit Fuß nachdenklich wird.

Interview von Harald Hordych

Campino muss man im Interview duzen, weil man nicht gut Herr Campino sagen kann, und erst recht nicht Herr Frege, denn er wüsste dann nicht, dass man mit ihm spricht. Der Frontmann der Toten Hosen kennt Birgit Fuß schon lange.

SZ: Campino, deine Agentin hat erzählt, dass du derzeit keine Interviews gibst. Aber diesem Interview zu Birgit Fuß hast du zugestimmt. Das ist ein Kompliment, oder?

Campino: Das ist es. Weil ich Birgits Arbeit sehr schätze. Es gibt nur eine Handvoll Journalisten, zu denen ich über die Jahre ein gutes Verhältnis entwickelt habe. Bei denen man wie bei Birgit das Gefühl hat, man kann sich auf etwas einigen, und sei es auch nur auf ein agree to disagree.

Wie hat sie sich diesen Respekt erworben?

Wir haben Birgit als ganz junge Redakteurin bei der Hamburger Mopo kennengelernt. Sie ist uns gleich beim ersten Interview aufgefallen, als jemand, der fair die Gespräche abdruckt, ohne irgendwas zu verdrehen, der nie auf Skandale aus ist, sondern sehr sachlich bleibt. Aber vor allen Dingen ist Birgit ein leidenschaftlicher Musikfan. Mir gefällt, wenn Leute aus Liebe zur Musik ihren Job machen. Wie wir ja auch. Mögen das auch unterschiedliche Räume sein, in denen sie und wir uns bewegen: Am Ende geht es immer um Musik.

Und woran erkennt man die?

Das merkst du an der Art, wie sie die Gespräche führt - vor allem aber vorher und nachher. Bei solchen Gelegenheiten redet man ja immer auch über andere Bands! Und da kriegst du sofort mit, welche Bewertungskriterien jemand ansetzt. Da merkst du sehr schnell, ob ein Journalist müde ist von dem, was er macht. Ob der gar nicht richtig da ist. Aber bei Birgt habe ich immer diesen Idealismus gespürt. Der hat sie nie verlassen.

Sie hat dann beim "Rolling Stone" ja auch einiges für euer Standing getan.

Darüber weiß ich nicht viel. Auf jeden Fall ist sie keine schwankende Person. Nur weil plötzlich irgendwas gerade angesagt ist, lässt sie niemand anderen einfach fallen. Wenn sie sich einmal für eine Band entschieden hat, dann verteidigt sie die auch. Da kann sie bisweilen regelrecht dickköpfig sein, könnte ich mir vorstellen.

Was passiert, wenn der Journalist, der einem immer gewogen war, mal nicht mehr lobt - Ende der guten Gefühle?

Es ist ja nicht so, dass Birgit uns 30 Jahre lang über den grünen Klee gelobt hat. Da gab's auch mal Sachen, bei denen sie sich beschwert hat: Hör mal, das hier verstehe ich jetzt aber nicht so richtig, das ist nicht meins. Entscheidend ist bei Leuten wie Birgit: Du weißt, dass sie über sehr viele Jahre deinen Werdegang verstanden haben, und wenn die sagen: Es gibt da ein Problem - dann stimmt dich das nachdenklich. Da muss ich als Reflex nicht sofort in Abwehrhaltung gehen, denn entscheidend ist dabei, dass sich Birgit nie die Leidenschaft für ihre Themen hat nehmen lassen. Das ist bis heute so. Und ich hoffe, dass ich mir das meinerseits auch erhalten habe.

© SZ
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