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Bundesliga:Gesucht: Alleinunterhalter mit Sachverstand und Ethos

v.l.n.r.: Mehmet Scholl, Oliver Kahn, Stefan Effenberg und Thomas Hitzlsperger

(Foto: Alessandra Schellnegger(2); Robert Haas; Getty Images)

Gefunden: Kahn, Effenberg, Hitzlsperger und noch kein Nachfolger für Scholl. Höchste Zeit für die Frage, welche Art von Fußball-Experten wir gerne im TV sehen würden.

Beginnen wir nostalgisch. Mehmet Scholl zu Gast bei Harald Schmidt, fünfzehn Jahre her. Scholl trägt eine militärgrüne Pluderhose und sagt unterhaltsame Sätze. Schmidt: "Was sind eigentlich diese Laufwege, die der Trainer dem Spieler erklärt?" Scholl, nach schöner Pause: "Ich kann damit nichts anfangen." Schmidt: "Christoph Daum steht ja unter Kokainverdacht." Scholl: "Die Augen kamen mir schon immer komisch vor."

Gerade konnte Scholl mit einem Thema wieder nichts anfangen. Als TV-Experte wollte der frühere Bayern-Spieler seine Expertise lieber nicht dem Thema Doping widmen. Ausgerechnet beim Confed-Cup in Russland, wo der Dopingverdacht doch schon fast auf den Werbebannern stand.

"Ein Stück weit muss die Wissenschaft da auch kapitulieren."

Nun ist seine Stelle vakant. Man wolle sich in den kommenden Wochen in Ruhe eine gute Lösung überlegen, heißt es aus der ARD. Bleibt alles wie bisher, lauten die Schlagworte der Ausschreibung: keine komplizierten Fragen, jede Menge Sendezeit, üppige Aufwandsentschädigung. Eine frühere Karriere als Spieler oder Trainer wäre unbedingt hilfreich. Und Frauen werden bei gleicher Eignung benachteiligt.

Weil ja aber nicht alles immer wie bisher bleiben muss, kann man Mehmet Scholls Abschied auch als Chance begreifen. Und sich fragen: Welche Art Fußball-Experte wollen wir eigentlich?

Keine ganz einfache Nummer. Fünf Zuschauer, sechs Meinungen - sagt man ja. Und auch die Wissenschaft kämpft noch: "TV-Experten brauchen Fachkenntnis und Meinungsstärke, sie sollen unterhalten und Gesprächsstoff liefern", sagt, noch sehr allgemein, der Sportwissenschaftler Christoph Grimmer, der sich seit Jahren mit Sportjournalismus beschäftigt. "Aber ein Stück weit muss die Wissenschaft da auch kapitulieren."

Anschlussfrage trotzdem: Gibt es ihn schon zu sehen, den guten Experten? "Ich fand Tayfun Korkut ganz gut", sagt Grimmer. "Der hatte bei Sky erfrischende Auftritte - und hat auch Details zu den Aufstellungen gut vermittelt und runtergebrochen." Dann fällt ihm noch ein: Mirko Slomka. "Der konnte erklären, wie das Innenleben einer Mannschaft funktioniert. Und Jürgen Klopp. "Der hat viele Menschen begeistert."

Schönheitsfehler: Korkut und Slomka sind bestenfalls die zweite Experten-Garnitur. Und Klopps Auftritte neben Johannes Baptist Kerner sind gut zehn Jahre her.

Effenberg muss einen geheimen Deal haben: Für jede Phrase spendiert der Sender ihm ein neues Tattoo

Stattdessen wären da aktuell: Oliver Kahn, der viel von "Druck" und "Kampf" und "Fokus" spricht. Und manchmal noch von einem "Tunnel". Stefan Effenberg: Muss einen geheimen Deal mit dem Sender haben, der ihm für jede Phrase ein Tattoo spendiert. Matthias Sammer: Hat dem Schachtelsatz zu ungeahnter Blüte verholfen. Thomas Hitzlsperger: Weiß viel, lächelt noch mehr. Ein Satz wie "Ich glaub, die Jungs trinken eh keinen Alkohol, die sind so professionell" klingt bei ihm aber manchmal noch wie das scheue Hoffen des Aufsichtslehrers bei der Oberstufenklassenfahrt. Lothar Matthäus, auch bei Sky: Ist und bleibt ein Lothar Matthäus, da hilft es auch nichts, den Sand in den Kopf zu stecken.

Ist es da schon Nostalgie, wenn man sich die dauerfrotzelnden Gerhard Delling und Günther Netzer zurückwünscht - im Dienst bis 2010? Beispielhafter Delling-Satz: "Sie sind der Experte. Betonung liegt auf 'Ex'". Oder anders gefragt: Könnte Netzer ihn noch plausibel erklären, diesen irre schnellen, obszön teuren, zum totalen Event aufgeblasenen Fußball des Jahres 2017?

Fußball Mehmet Scholl hat nicht verstanden, worum es geht
Doping im Fußball

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Für Mehmet Scholl als ARD-Experten wäre es die Aufgabe, über Doping im Fußball zu sprechen. Es drängt sich aber nun mehrfach der Eindruck auf, dass er sich mit dem Thema nicht befassen will.   Kommentar von Martin Schneider

Ehrliche Antwort: wohl kaum. Zumal auch Netzer als "Executive Director" einer Sportrechte-Agentur viel zu eng mit der Branche verwoben ist. Das führt zu einem grundsätzlichen Problem: Ehemalige Profis und ehemalige Trainer sind Teil des Betriebs, haben alte Freundschaften und Verpflichtungen. Darüber hinaus haben sie weite Teile ihres Berufslebens damit verbracht, Medien auf möglichst umständliche Art möglichst wenig zu sagen. Das wirkt oft auch in der neuen Rolle nach.