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Britisches Fernsehen:Hier stehen wir, dort steht ihr

Bestes Beispiel dafür ist ein Interview des Radio-Moderators John Humphrys mit dem damaligen BBC-Generaldirektor George Entwistle im Jahr 2012. Der Sender war in den Skandal um den DJ und BBC-Prominenten Jimmy Savile verstrickt, der jahrzehntelang Mädchen und Jungen sexuell missbraucht hatte, weshalb Entwistle ohnehin einen schweren Stand hatte. Damals kam ein BBC -Bericht dazu, in dem schwere Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen Berater von Margaret Thatcher erhoben wurden, die sich als falsch herausstellten. Entwistle ging das Interview recht entschlossen an, er wurde jedoch von Humphrys in einer Weise befragt, die in Deutschland undenkbar wäre. Folge dieses Interviews in seinem eigenem Sender: Entwistle trat nach lediglich 54 Tagen an der Spitze der BBC zurück.

BBC Eine Attacke zu viel
BBC-Starmoderator Jeremy Clarkson

Eine Attacke zu viel

Jahrzehntelang hat er sich Feinde gemacht, doch jetzt ist das Maß voll: Die BBC feuert ihren umstrittenen Moderator Jeremy Clarkson. Er soll tätlich geworden sein. Der 56-Jährige wird wohl schnell neue Arbeitgeber finden.   Von Marc Felix Serrao

5,2 Milliarden

Euro hat die BBC jedes Jahr zur Verfügung, in Deutschland ist das Budget der Sender deutlich höher, trotzdem wird in Großbritannien immer wieder heftig darüber diskutiert, ob die berühmten Moderatoren der Sender möglicherweise zu viel verdienen. Die BBC aber findet, diese Leute seien ihr Geld durchaus wert.

Der scharfe Ton von Interviewern wie Humphrys erwächst einer Haltung, einem Selbstverständnis. Die BBC-Journalisten sehen sich zum einen mindestens auf Augenhöhe mit den Politikern, zum anderen geben sie stets deutlich zu verstehen: Hier stehen wir, dort steht ihr. Als sich vor knapp drei Jahren SPD-Chef Sigmar Gabriel und ZDF-Moderatorin Marietta Slomka ein wenig in Haare gerieten, wurde in Deutschland gleich über das "Zoff-Interview" und den Umgang von Medien und Politikern diskutiert. Auf der Insel ist der scharfe Ton die Regel. Der BBC-Mann Eddie Mair fragte den jetzigen Außenminister Boris Johnson am Ende eines 15 Minuten langen, ebenso fairen wie erbarmungslosen Interviews einmal: "Sie sind ein ziemlich fieser Kerl, nicht wahr?"

Legendär ist ein Interview, das Jeremy Paxman im Jahr 1997 mit dem damaligen Innenminister Michael Howard führte. Weil er sich nicht mit einer ausweichenden Antwort zufrieden geben wollte, stellte er zwölf Mal dieselbe Frage. Später behauptete Paxman, er habe einfach ein wenig Zeit schinden wollen, aber das ist wohl als Scherz zu verstehen. 17 Jahre nach dem Interview kam Howard als Gast in Paxmans letzte Sendung als Moderator von BBC-Newsnight. Paxman stellte die Frage ein dreizehntes Mal, Howard antwortete.

Paxman gehörte zu den Stars des Senders, er verdiente auf dem Höhepunkt seiner Karriere mehr als eine Million Pfund im Jahr. Wegen der hohen Gehälter für ihre prominentesten Moderatoren gerät die BBC immer wieder in die Kritik. Es handele sich um eine Verschwendung des Geldes der Steuerzahler, argumentieren besonders die Konservativen. Zuletzt hatte die neue Regierung angeregt, der Sender solle offenlegen, wer mehr als 150 000 Pfund im Jahr und damit mehr als die Premierministerin verdiene. Kulturministerin Karen Bradley sagte, das werde Einsparungen bringen, die in bessere Sendungen investiert werden könnten. Die BBC argumentiert, dass man die besten Leute angemessen bezahlen müsse, weil sie sonst zur Konkurrenz gingen.

Im September hat die BBC eine komplette Show an die Konkurrenz verloren: Die Sendung The Great British Bake Off, ein Backwettbewerb, war zur erfolgreichsten des Senders geworden, die letzte Episode sahen mehr als 15 Millionen Menschen. Dann gab die unabhängige Produktionsfirma bekannt, sie habe das Format für 75 Millionen Pfund für drei Jahre an Channel 4 verkauft. Drei der vier Moderatoren stiegen daraufhin aus Loyalität zur BBC aus, und es sagt einiges über die Bedeutung des Senders, dass das Thema allen Ernstes die Schlagzeilen beherrschte.

Immerhin ist es weitgehend abgemacht, dass die BBC bis auf Weiteres mit Gebühren finanziert wird. Derzeit zahlt jeder Haushalt jährlich 145,50 Pfund, rund 160 Euro. Dieser Beitrag soll bis mindestens zum Jahr 2022 in Anlehnung an die Inflationsrate steigen. Was die BBC so besonders macht, ist die Tatsache, dass sie für viele Briten nicht nur Teil ihres täglichen Lebens ist, sondern auch Teil der britischen Identität. Wie wohl sonst nur der Gesundheitsdienst NHS steht sie für etwas, das alle Bewohner des Landes teilen. Im Schnitt nutzt jeder Brite täglich fast drei Stunden Angebote der BBC, sei es Fernsehen, Radio oder Online. Umso wichtiger ist es, dass der Sender seine Unabhängigkeit bewahrt. Der Regisseur Peter Kosminsky warnte vor Kürzerem, Teile der Politik versuchten, aus der BBC einen "Staatssender wie in Nordkorea" zu machen. Er mahnte zur Wachsamkeit: "Blinzele einmal, und sie ist weg."

Leserdiskussion Was sollten ARD und ZDF besser machen?
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Was sollten ARD und ZDF besser machen?

Bei jeder GEZ-Rechnung möchte man sehnsüchtig nach Großbritannien blicken. Die BBC macht das beste TV-Programm der Welt - mit deutlich weniger Geld als ARD und ZDF. Hierzulande gehört es eher zum guten Ton sich über die Qualität der Öffentlich-Rechtlichen aufzuregen. Wie könnte deutsches Fernsehen besser werden?   Diskutieren Sie mit uns.