Britische Kultserie "Doctor Who" wird weiblich

Vor kurzem war Doctor Who noch ein weißhaariger Schotte. Künftig verkörpert ihn Jodie Whittaker. Aber als Frau. Und höchstens weißblond.

(Foto: AFP)
  • Die Hauptfigur der wohl britischsten aller TV-Serien, Doctor Who, ist nach 55 Jahren erstmals weiblich.
  • Antifeministen aber sprechen dem weiblichen Doktor das Existenzrecht ab und behaupten, er zerstöre das Franchise.
Von Benedikt Frank

Der Doktor stürzt vom Weltall zur Erde. Trotz des harten Aufpralls stürmt er gleich davon, um ein Rätsel um ein elektrisches Tentakel-Alien zu lösen. Nur kurz hält er inne: "Warum nennen Sie mich Madam?" Die zufällig anwesende Polizistin antwortet verdutzt: "Weil Sie eine Frau sind?" - "Bin ich das? Steht es mir?" Da fällt es dem Doktor wieder ein: Vor Kurzem war er noch ein weißhaariger Schotte. Die Hauptfigur der wohl britischsten aller TV-Serien, Doctor Who, ist nach 55 Jahren erstmals weiblich. Und alle fragen: "Steht es ihm?"

Für das britische Fernsehen ist Doctor Who in etwa ein solcher Kult wie der Tatort für das deutsche. Den Doktor zu spielen, macht einen auf der Insel schlagartig bekannter als den Weihnachtsmann. Nun wird Jodie Whittaker die Ehre zuteil. Seit 1963 reist bei der BBC der Timelord vom Planeten Gallifrey in einer blauen Polizeibox durch Zeit und Raum, um Menschheit und Universum zu retten. Da der Doktor wiedergeboren werden kann, konnte die Serie auch nach 19 Jahren Pause 2005 fortgeführt werden. Seitdem findet sie auch international Fans. Für die BBC ist das ein gutes Geschäft mit Franchiseartikeln, etwa Actionfiguren. Den neuen Doktor gibt es nun aber erstmals auch als Barbie.

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Jeder neue Darsteller ändert auch den Charakter des Doktors. Und doch war die Figur zwölfeinhalb Mal ein exzentrischer, weißer Brite. Den "Schallschraubenzieher", die essenzielle, zauberstabartige Waffe des Doktors, hat seine weibliche Inkarnation zunächst verloren. Noch bevor man "Phallussymbol" denken kann, zimmert sie sich ihren Schallschraubenzieher einfach selbst zusammen. Neubesetzungen werden auch ohne Geschlechtsumwandlung kontrovers diskutiert, regelmäßig fließen beim Abschied Tränen. Diesmal mischen sich männliche Verlustängste dazu. Ein Vorbild für Jungs, das Probleme mit Grips statt mit Muskeln löst, könnte tatsächlich fehlen. Antifeministen aber sprechen dem weiblichen Doktor allerdings das Existenzrecht ab und behaupten, er zerstöre das Franchise, wie dies Kino-Remakes mit Frauen bei "Ghostbusters" oder "Ocean's 8" täten. Doch anders als bei den Filmen bricht in Doctor Who der Übergang vom Mann zur Frau nicht die Kontinuität. Naturgesetze überwindet der Doktor seit jeher, da kann so eine Kleinigkeit wie das Geschlecht keine Grenze sein.

In einer Sonderfolge zu Weihnachten 2017 verabschiedete sich Whittakers Vorgänger Peter Capaldi. Er traf dabei auf den ersten Doktor, dessen patriarchales Gehabe ihm peinlich war. Zu kurz, um sich ein Bild von Frau Doktor zu machen, wurde sie am Ende angeteasert. Am Sonntag zeigte die BBC die erste reguläre Folge. In Deutschland wird man die neue Staffel ab Ende Januar beim Pay-TV-Kanal Fox sehen können.

Ohne zu viel zu verraten: Man hat sich um einen fließenden Übergang bemüht. Der neue Doktor trägt zunächst noch die Kleider des alten. Sie muss sich noch etwas von der Reinkarnation erholen, ist ansonsten aber so klug und witzig, wie es die Figur schon immer war. Das Laster von Science-Fiction-Heldinnen, von Katniss Everdeen aus "Hunger Games" bis Rey aus "Star Wars", besonders ernst zu sein, teilt dieser Doktor nicht. Sollte der weibliche Doktor trotz vielversprechender Premiere scheitern, wäre es nicht Jodie Whittakers Schuld. Das hätte Chris Chibnall zu verantworten, der Steven Moffat als Showrunner ablöst. Obwohl der Doktor jetzt eine Frauenrolle ist, hatte das Autorenteam noch keine weibliche Leitung.

Ein britisches Alien

Der Schallschraubenzieher wirkt: Vor 50 Jahren sendet die BBC die erste Folge "Doctor Who". Die Science-Fiction-Serie um einen Zeitreisenden vom Planeten Gallifrey ist so britisch wie Tee und Toast. Mit der Jubiläumsfolge soll sich die Richtung der Erzählung jedoch ändern. Von Alexander Menden mehr...