"Bravo" erfindet sich neu Krasse Geschichte

Millionen Deutsche sind mit der "Bravo" erwachsen geworden. Das war einmal. Die Auflage ist seit Jahren im freien Fall. Jetzt sollen auch Skandal- und Internetgeschichten die Marke retten. Ein Besuch.

Von Johannes Boie

Ganz schön krasse News für die Boys und Girls da draußen, Selena Gomez, das süße Hollywood-Girl hat ein Drogenproblem.

Gomez lächelt vom Titel der Bravo-Ausgabe 31 herab, dazu der Schriftzug: "Selena Gomez Drogenschock! KRASS! Das hätte keiner gedacht! Hollywood hat sein nächstes Opfer . . ."

Es ist dann aber ein bisschen wie in der Foto-Lovestory, die in der Jugendzeitschrift so verlässlich abgedruckt ist wie die Tipps von Dr. Sommer. Erst denkt der Leser: Krass, Selena Gomez hat ein Drogenproblem, aber dann findet er heraus, stimmt ja alles gar nicht. Gomez hat gar kein Drogenproblem. Die Geschichte in der Bravo dreht sich um Cory Monteith, einen Schauspieler, der an einer Überdosis starb, und den Gomez kannte. Die Verbindung zu Selena Gomez hat die Redaktion so überzeichnet, dass es auf dem Titelbild wirkt, als sei Gomez ein Drogenopfer. Dabei ist sie doch nur ein Opfer von Bravo.

Sinnfreier People-Journalismus

Anders als es in jeder Foto-Lovestory garantiert ist, gibt es in diesem Fall kein Happy End. Manches, was auf der Bravo als Titel draufsteht, ist schlicht überzeichnet.

Die Bravo-Chefredakteurin Nadine Nordmann, 32, sitzt in einem Konferenzraum am Münchner Stadtrand, heller Holztisch, die Eingangswand des Büros ist mit einem Graffito verziert.

Sie hält die Ausgabe mit der Gomez-Geschichte für ihren bislang besten Scoop als Chefin: "Der Titel ist unfassbar ansprechend, farblich sehr stark, eine hochemotionale Titelgeschichte. Das ist eine Geschichte, die einfach berührt."

So weit, so gewöhnlich sinnfreier People-Journalismus, wie man ihn von das neue, Das neue Blatt und Adel exklusiv kennt. Alles Magazine aus dem Bauer-Verlag, wie die Bravo, aber auch in anderen Verlagen wird so gearbeitet. Und nun erwartet wohl auch niemand, der die Bravo oder ein anderes Klatschblatt in die Hand nimmt, eine Recherche von Bob Woodward zu finden.

Neu ist aber, dass Nordmann mit dieser kopierten Abart von Journalismus die Marke Bravo wieder auf Kurs bekommen möchte, oder, viel eher, vor dem Absaufen bewahren muss. Die verkaufte Auflage ist runter auf 224 722, und sie lag Ende der Neunziger bei 1,2 Millionen. Mitarbeiter wurden schon gekündigt, der Chef gewechselt. Doch die Bravo steckt in der Krise, seit Jahren, und mit ihr das ganze Segment der Jugendzeitschriften.