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Branchenkongress:Europas Netz

Die "Medientage München" beginnen mit einer Diskussion um die Macht von US-Konzernen, mit neu verteilten Fußballrechten und der Enthüllung eines Ministerpräsi­denten zu seinem Medienkonsum.

Welche gesellschaftliche Verantwortung haben Social-Media-Plattformen? Und was hilft gegen die Übermacht der US-Internetkonzerne? Mit diesen Fragen haben die Medientage München am Mittwoch begonnen. Als eine Idee wurde dabei eine bessere Zusammenarbeit in Europa diskutiert. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich auf dem Branchenkongress für eine alternative europäische Internetplattform aus: "Entweder sind wir bereit, den Wettbewerb anzunehmen, oder wir werden am Ende nur Konsumenten sein von anderen Wettbewerbern." Eine solche Plattform befürwortet der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant Ulrich Wilhelm seit Längerem. Er warnte erneut, die Geschäftsmodelle von Google und anderen US-Technologieriesen heizten "die Polarisierung in der Gesellschaft an".

Die Tech-Soziologin Zeynep Tüfekçi, Professorin an der Universität von North Carolina und Journalistin unter anderem für die New York Times, zog gar Parallelen zum Kalten Krieg. Der Westen habe diesen gegen den Ostblock gewonnen, weil er einfach die besseren Werte, das bessere Lebensmodell angeboten habe. Dem seien die Menschen gefolgt. Ähnliches könne man in der digitalen Welt mit Alternativen bewirken.

Der bayerische Ministerpräsident Söder offenbarte bei der Eröffnung auch seine eigene Mediensozialisation. Seine Mutter habe sich früher Sorgen über den Fernsehkonsum ihres Sohnes gemacht. Sie sei der Meinung gewesen, er solle doch lieber mehr Latein lernen, statt "irgendwelche unsinnigen Serien" zu schauen.

Am Rande des dreitägigen Kongresses bestätigte die Telekom einen Deal, der seit Mitte September als unmittelbar bevorstehend galt: Die hauseigene Streamingplattform Magenta TV hat sich die Rechte an der Übertragung der Fußball-EM 2024 gesichert.