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Brainpool:Keine Sendung, keine Arbeit

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Rente mit 49: Stefan Raab.

(Foto: dap)

Im Rechtsstreit vor dem Kölner Arbeitsgericht zeigt sich Brainpool gegenüber Raab-Mitarbeitern kompromisslos.

Wenn Stefan Raab mit Schlag den Raab am 19. Dezember zum letzten Mal bei Pro Sieben aufgetreten ist, wird der TV-Moderator zum ersten Mal seit vielen Jahren ohne Job sein. Er wolle seine Fernsehschuhe an den Nagel hängen, hatte er Mitte Juni überraschend verkündet. Was ihn zum Abschied getrieben hat, ist offen. Fest steht nur, dass Raab aus freien Stücken geht. Ganz im Gegensatz zu 80 der 230 Brainpool-Mitarbeiter, denen kurz nach Raabs Presseerklärung zum Jahresende gekündigt wurde.

Ein Großteil der Gekündigten der Produktionsfirma, an der auch Raab beteiligt ist, will sich damit nicht abfinden und hat beim Arbeitsgericht Köln gegen den Rauswurf geklagt. In zwei ersten Güteterminen wurden am Mittwoch und am Freitag nun 17 von 49 Klagen auf die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung geprüft. Dabei zeigte sich Brainpool kompromisslos. Wenn keine Sendungen mehr produziert würden, gebe es auch keine Arbeit, so die Begründung des Unternehmens, das weitere Erklärungen verweigerte.

Das Gericht setzte daraufhin Verhandlungstermine für den 22. November und den 2. Dezember fest. Bis dahin produzieren die meisten Gekündigten weiter Sendungen. Am 24. August kehrt Raab schließlich mit TV total aus der Sommerpause zurück. Wie einvernehmlich die Zusammenarbeit dann ablaufen wird, muss sich zeigen.

Die Vorgänge werfen ein Licht auf die sehr besonderen Verhältnisse im Fernsehgeschäft. Meist arbeiten Produktionsfirmen mit einem kleinen Stamm an festen Mitarbeitern und blähen die Zahl der Aktiven dann je nach ihrem aktuellen Bedarf durch freie Mitarbeiter auf. Es wird geheuert und gefeuert, ganz nach Belieben.

Dies fiel in Köln bislang nicht weiter auf, weil in Zeiten eines boomenden Fernsehgeschäfts um die Ecke stets schon die nächste Sendung aus dem Boden gestampft wurde. Dies hat sich in jüngster Zeit geändert. Private wie öffentlich-rechtliche Sender versuchen, Kosten zu drücken, wo es geht. Lange erwies sich dabei noch der WDR als vergleichsweise sicherer Hafen für Medienschaffende, weil man dort auch als freier Mitarbeiter ein Auskommen finden konnte. Seit aber WDR-Intendant Tom Buhrow spart, kursiert auch bei den freien Mitarbeitern in seiner Anstalt die Angst. Diverse Sendungen stehen zur Disposition und damit auch Beschäftigungsmöglichkeiten. Es wird also eng werden für viele. Nur nicht für Stefan Raab.

© SZ vom 08.08.2015
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