BR-Satire "Hindafing" Klug, aber nicht verkopft, derb und politisch unkorrekt

Nun ergeben sich solche Assoziationen in Hindafing durchaus. Die Abgründe auf dem Land und die surrealen Traumsequenzen, wenn Zischl im Drogenrausch mit einem ausgestopften Fisch oder seinem toten Vater spricht, sowie das metallische Zischen, wenn er sich sein Crystal Meth durch die Nase zieht, erinnern an Twin Peaks, und auch, dass man sich über weite, düstere Strecken hinweg stets fragt, ob nicht mal jemand das Licht anschalten kann. Bei ambivalenten Figuren wie Zischl kann man Frank Underwood aus House of Cards oder Walter White aus Breaking Bad heranziehen, dabei ähnelt er in seinem Bemühen, sich aus dem Schlamassel zu ziehen, am meisten Lester Nygaard in der ersten Staffel von Fargo.

"Aber des is' doch alles bio!"

Tatsächlich muss man die Vergleiche aber gar nicht von so weit her bemühen. Hindafing seziert die amigohafte Lokalpolitik - samt konspirativen Saunasitzungen mit dem Landrat - so schön wie einst Der Bulle von Tölz, nur sehr viel derber und bösartiger. Die Handlung ist so wild, die Figuren sind so hinterfotzig und die Wendungen fast so bizarr wie in der österreichischen Satireserie Braunschlag von David Schalko und die absurden Dialoge erinnern an Gerhard Polt. Als muslimische Flüchtlinge in der Metzgerei arbeiten sollen und sich weigern, Schweine zu schlachten, wundert sich die Frau des Metzgers: "Aber des is' doch alles bio!"

Und doch ist Hindafing völlig eigen. Klug, aber nicht verkopft, derb und politisch unkorrekt. Oft geht es schief, wenn eine Serie viel auf einmal will - doch in Hindafing passen Amigo-Geschäfte, Wahlbetrug, Schwarzgeld, Drogen, Flüchtlinge, Fracking und Inzest in eine einzige kleine Gemeinde, auch weil die Serie vieles nur andeutet.

Für den BR ist die Serie eine mutige Produktion. Die Idee entstand in Zusammenarbeit mit Studenten der HFF München. Produzent Rafael Parente und Autor Niklas Hoffmann entwickelten zusammen die Sitcom Blockbustaz (ZDF neo) und bewiesen darin bereits ausgezeichneten Humor. Hindafing steigert von Folge zu Folge Tempo und Wahnsinn, sodass es fast schade ist, dass man manche Nebenrollen nicht besser kennenlernt, etwa den Polizisten Erol Yıldırım mit türkischen Wurzeln und Ausländerphobie, oder den jungen Pfarrer, der sich in einen afrikanischen Flüchtling verliebt. Am Ende kann man die Serie auch als Metapher auf die große Politik sehen, spätestens wenn Zischl seinen Wahlspruch vorstellt: "Mir schaffen des." Hoffentlich auch eine zweite Staffel.

Hindafing, alle Folgen in der BR-Mediathek, und von 16. Mai an, 20.15 Uhr in Doppelfolgen im BR-Fernsehen.

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