bedeckt München 17°
vgwortpixel

Boulevardpresse in Berlin:Töten für Rita

Rita Ora, Bambi

Pose für die Presse: Sängerin Rita Ora mit Bambi.

(Foto: REUTERS)

Seit sich Stars und Sternchen selbst vermarkten, wird die Arbeit von Klatschreportern und Promi-Fotografen immer absurder. Höhepunkt: die Bambi-Verleihung.

"Hallo Hintergrund, mach mal den Teppich frei!", brüllen die Fotografen. Mit Hintergrund sind die Menschen gemeint, die hinter den Stars und Sternchen über den roten Teppich am Potsdamer Platz zur Bambi-Verleihung flanieren. Sie haben guten Grund, dort zu sein, denn sie sind eingeladen. Ob nun als Gäste, Promi-Mitarbeiter oder Anverwandte der Prominenz. Doch in den Augen der Red-Carpet-Fotografen sind sie Fliegendreck. Sie stören den freien Blick auf den Star - und versperren im Zweifel die Sicht auf die Sponsorenwand.

"Halloooo! Geh weg, Mann!" brüllt eine Fotografin wieder, um freien Blick auf das Model im lila Kleid zu haben. Leider handelt es sich bei dem Mann um den Vater von Heidi Klum, und der ist nicht so leicht zu vertreiben. Als der Fotografin jemand sagt, wer der Mann ist, soll er doch mit aufs Bild.

Judith Rakers oder Frauke Ludowig? Kann doch kein Mensch unterscheiden

Das ist eines der Probleme hier: Die Fotografen am Rande des roten Teppichs kennen die Protagonisten, die sie abzuschießen haben, kaum. Ein einziges Rätselraten, auch auf Seiten so mancher Society-Reporterin. Judith Rakers wird mit Frauke Ludowig verwechselt - was man auch erst mal schaffen muss - und Siegfried Rauch mit Peer Augustinski. Weil die Fotografen um ihr schlechtes Namensgedächtnis wissen, rufen sie lieber "Hallo!", wenn jemand ihnen Unbekanntes vorbeiläuft. Das führt dazu, dass die wirklich prominenten Schauspieler, die nicht mehr auf jedes Bild angewiesen sind, schnell vorbeilaufen.

Das wiederum führt zu absurden Szenen am Rande des roten Teppichs. Gerade noch brüllen die Fotografen einen Mann nieder, der vermeintlich im Bild steht: "Hau ab, du blöde Sau!". Kaum nennt der Nebenmann aber den Namen, und der ist prominent, wird in Sekundenschnelle umgeswitcht. Die Lautstärke ist dieselbe, aber plötzlich heißt es hinter der Absperrung: "Hier, hier! Nach links bitte, Özil!" Mandy Capristo ist tatsächlich mit ihrem Exfreund, dem Fußballnationalspieler, aufgetaucht. Kann ja nun wirklich keiner ahnen.

-

So sieht es auf fast allen Fotos aus - weil immer irgendjemand durchs Bild rast. Und sei es Wolfgang Schäuble. Die Fotografen am Rande des roten Teppichs macht das schier wahnsinnig.

(Foto: AFP)

Dann kommen noch Rita Ora und Hilary Swank als einzige internationale Stars und es gibt kein Halten mehr. Zwei Fotografinnen wollen den ständig vor ihnen herumturnenden Kameramann "töten", wenn er nicht bald zur Seite geht, und nicht mal Til Schweiger mit seiner neuen Flamme interessiert hier noch jemanden in der Aufregung. Das ist jetzt nun wirklich Hollywood!

Irgendetwas scheint da aus dem Ruder zu laufen. Promi-Fotografen tauchen oft im Rudel und in einer Lautstärke und Aggressivität auf, die eine harte Branche vermuten lassen. Auch mit Society-Reportern will man im Zweifel nicht tauschen. Aber in Berlin ist das noch mal eine Spur spezieller als anderswo.