Böhmermann-Affäre Zweites Ziel

Der promovierte Musikwissenschaftler Mathias Döpfner, 53, ist seit 2002 Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Axel Springer. Zuvor war er Chefredakteur der Zeitung Die Welt

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan verklagt nach Böhmermann nun auch Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Konzerns.

Von David Denk

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan geht nach dem TV-Satiriker Jan Böhmermann nun auch gegen den Vorstandschef des Medienkonzerns Axel Springer vor und hat über seinen Kölner Medienanwalt Ralf Höcker einstweilige Verfügung gegen Mathias Döpfner beantragt. Döpfner habe sich in einem Beitrag für die Welt am Sonntag das Schmäh-Gedicht aus Böhmermanns ZDF-Show Neo Magazin Royale und insbesondere die Bezeichnung Erdoğans als "Ziegenficker" zu eigen gemacht, sagte Höcker am Montagnachmittag zur Begründung, "und das halte ich für eindeutig rechtswidrig". Auch wenn das Landgericht Köln, wie gegenüber Höcker bereits angedeutet, die Verfügung nicht erlassen sollte, wird die Auseinandersetzung damit wohl nicht vorüber sein. "Wir warten zunächst die Beschlussbegründung ab, aber ich werde meinem Mandanten aller Voraussicht nach empfehlen, in die zweite Instanz zu gehen", so Höcker. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa hatte Höcker den Umgang mit Erdoğan mit einer "Massenvergewaltigung" verglichen - "ein sehr plakatives, aber absolut gerechtfertigtes Bild, hinter dem ich hundertprozentig stehe", wie Höcker auf SZ-Nachfrage erklärt. "Wenn man ins Internet geht, sieht man wie die Sitten gerade verwildern." Beleidigungen des türkischen Staatschefs drohten salonfähig zu werden, sagt Höcker, der mit seinem Vorgehen auf Abschreckung setzt, "um kollektiver Enthemmung vorzubauen". Herr Erdoğan sei ein Mensch, und die Menschenwürde sei unantastbar, so Höcker. Eine Sprecherin des Axel-Springer-Konzerns sagte dazu: "Für uns ist die Situation unverändert, uns liegen keinerlei Informationen oder Schriftstücke dazu vor."

In einem zweiten Verfahren hat das Landgericht Köln einer einstweiligen Verfügung gegen den Filmregisseur Uwe Boll schon vollumfänglich stattgegeben. Boll darf Erdoğan nicht mehr "grenzdebiler kleiner Schwachmat" nennen.