Zugunglück bei "Bird Box" Netflix will reale Unfallszenen nicht streichen

Szene aus "Bird Box" bei Netflix: "Der Clip bleibt."

(Foto: AP)

47 Menschen starben, als ein Zug im kanadischen Lac-Mégantic explodierte. Die Bilder des Unglücks sind in einem Netflix-Film zu sehen - Angehörige sind entsetzt. Reaktion des Streaming-Dienstes: "Der Clip bleibt."

Von Laura Hertreiter

Es ist sechs Jahre her, dass der mit Erdöl beladene Zug in Kanada entgleist ist. 47 Menschen starben, als er in Lac-Mégantic einen Abhang hinabrutschte und explodierte. Jetzt schaut erneut ein Millionenpublikum der Katastrophe zu - weil Aufnahmen davon in einem Horrorfilm gelandet sind, der gerade mit großem Erfolg auf Netflix läuft. Bird Box wurde laut Anbieter in der ersten Woche so oft aufgerufen, wie bisher kein anderer Film auf der Plattform, seit Weihnachten lief er in mehr als 80 Millionen Haushalten. Er erzählt von Dämonen, die jeden, der sie erblickt, in den Selbstmord treiben. Das Zugunglück taucht zu Beginn in einem fiktionalen Nachrichtenbeitrag auf.

In den sozialen Netzwerken meldeten sich deshalb entrüstete Anwohner und Angehörige zu Wort, auch die Bürgermeisterin von Lac-Mégantic, Julie Morin, ist bestürzt. "Es ist respektlos, die Bilder für Fiktion und Unterhaltung zu nutzen", sagte sie The Globe and Mail, und forderte Netflix auf, die Szenen aus dem Film zu nehmen.

Netflix hat das Material laut Medienberichten über einen New Yorker Archivbild-Anbieter lizenzieren lassen, ein keineswegs unübliches Verfahren; die Bilder des Zugunfalls von Lac-Mégantic tauchen auch in der kanadischen Science-Fiction-Serie Travelers auf. Das zuständige Studio will die Szenen so schnell wie möglich entfernen lassen. Anders als Netflix: "Der Clip bleibt", zitiert der Hollywood Reporter einen Sprecher zum Film Bird Box. Man sei aber bemüht, diese Dinge in Zukunft anders zu gestalten.

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