Bildungsreise ins Krisengebiet:Papperlapapp eines Augenzeugen

Lesezeit: 2 min

Jan Josef Liefers reist nach Syrien

Jan Josef Liefers in Syrien - ein kleines Filmchen über den Schauspieler im schwarzen Hemd.

(Foto: dpa)

Was ist eigentlich in die deutschen TV-Schauspieler gefahren? Seit einiger Zeit nutzen sie Drehpausen, um im Vorübergehen die Welt zu retten. Nun kam "Tatort"-Darsteller Jan Josef Liefers mit "Bild" nach Aleppo. Ein Trip, bei dem es nicht um zerschossene Häuser, nicht um Kinder, nicht um Politik geht. Sondern um seine eigene Mission.

Von Hilmar Klute

Wenn es irgendwann wirklich mal so weit sein sollte, dass mit internationaler Politik gar nichts mehr auszurichten ist, wird die Welt vermutlich von deutschen Fernsehschauspielern gerettet. Vor wenigen Tagen ist Tatort-Darsteller Jan Josef Liefers von seinem überraschenden Besuch in Aleppo zurückgekehrt.

Er war, was sonst, betroffen, weiß aber jetzt auch, dass nur militärisches Eingreifen zu einem Ende des Schlachtens in Syrien führen kann. Im Übrigen werde er demnächst bei Außenminister Westerwelle vorsprechen. Der dürfte, sofern er sein Handwerk versteht, jeden anderen diplomatischen Termin canceln lassen, denn Westerwelle müsste ja vom wilden Affen gebissen sein, wenn er sich von einem Mann, der weiß, was in Syrien zu tun ist, nicht die Agenda schreiben ließe.

Und diesen ganzen Nahost-Experten, Bedenkenträger allesamt, die sich den Kopf darüber zerbrechen, ob die Rebellenarmee gegen Assad nicht auch von Dschihadisten durchsetzt sein könnte, schleudert Liefers sein großes Augenzeugen-Papperlapapp entgegen: "Das sind keine Islamisten, sondern normale, gebildete Menschen." Also, was muss denn jetzt bitte gemacht werden? "Der Westen muss eine Flugverbotszone schaffen." Und könnte ein Militäreinsatz nicht einen Flächenbrand und jahrelangen Krieg bedeuten? Nein, die westlich orientierte Mittelschicht werde dort eine Demokratie aufbauen. Sagt Liefers.

Katastrophenhelfer in eigener Mission

Was ist eigentlich in unsere deutschen Fernsehschauspieler gefahren? Seit einiger Zeit nutzen immer mehr von ihnen ihre Drehpausen, um en passant dort für Ordnung und Gerechtigkeit zu sorgen, wo andere seit Jahrzehnten vergeblich gegen Chaos und Niedertracht ankämpfen.

Es geht nicht um Politik, es geht um Liefers

Hannes Jaenicke reist regelmäßig nach Südostasien, um dort Orang Utans vor Missbrauch und Heimtücke zu bewahren. Der Fernsehclown und Beckenbauer-Parodist Matze Knop war in Mazar e Sharif zur Truppenaufheiterung. Vor fünf Jahren schon reiste der eher mäßig bekannte Schauspieler Clemens Schick nach Afghanistan ("Wir waren komplett abgeschottet"), seine Agentur hatte zuvor bei der Presse angefragt, ob da nicht jemand mitfahren könnte.

Gerne klingeln deutsche Schauspieler in Redaktionen an und bitten darum, dass ein Journalist sie auf ihrer waghalsigen Mission begleiten möge. Bei Liefers fuhr ein Bild-Reporter mit, es gibt ein knappes Filmchen mit dem Schauspieler im schwarzen Hemd, der an jeder zerbombten Straßenecke ein Foto macht und sich Handyvideos mit Schlachtenszenen zeigen lässt.

Vor allem soll aber das hier rüberkommen: Liefers hat sich selbst einer immensen Gefahr ausgesetzt, zwei drei Tage lang jedenfalls. Es geht nicht um Aleppo und zerschossene Häuser. Nicht um Kinder, nicht um Politik. Es geht um Jan Josef Liefers und seinen Zynismus, in ein Kriegsgebiet zu fahren, um dann eine weltbewegende Katastrophe mit kindischen Lösungsvorschlägen zu banalisieren.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir den Schauspieler Clemens Schick fälschlicherweise als "Sebastian Schick" tituliert. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler, der mittlerweile behoben wurde.

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