"Bild"-Zeitung Tanit Koch verlässt den Axel-Springer-Verlag

Kochs Berufung als erste Frau auf den Chefredakteurs-Posten war 2015 eine Sensation. Ihren Weggang werten einige in der Redaktion als Rückschritt.

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  • Tanit Koch, Chefredakteurin der Bild-Zeitung, hat angekündigt, dass sie das Blatt nach nur zwei Jahren im Amt auf eigenen Wunsch verlassen wird.
  • In einer Mail, mit der sich Koch von ihren Kollegen verabschiedete, klingen vor allem persönliche Differenzen an.
  • Seit einem Jahr soll es Konflikte zwischen Koch und Julian Reichelt, dem Vorsitzenden der Bild-Chefredaktionen, gegeben haben.
Von Karoline Meta Beisel

Als im November 2015 bekannt wurde, dass Tanit Koch Chefredakteurin der gedruckten Bild-Zeitung werden würde, neben Julian Reichelt als Verantwortlichem für den Online-Auftritt, twitterte ihr Vorgänger Kai Diekmann in schönstem Denglisch: "Perfekt team!" So perfekt war das Team dann aber offenbar doch nicht: Am Freitag hat Tanit Koch angekündigt, dass sie das Blatt Ende Februar nach nur zwei Jahren im Amt auf eigenen Wunsch verlassen wird. Reichelt übernimmt ihre Position zusätzlich zu seinen Aufgaben als "Chefredakteur Bild Digital" und "Vorsitzender der Bild-Chefredaktionen". Anders formuliert: Alle Chefposten, die man bei der Bild-Zeitung haben kann, besetzt künftig Reichelt.

Die Pressemitteilung des Axel-Springer-Verlags nennt als Begründung für den Wechsel entscheidungslogistische Gründe, die Aufteilung der Befugnisse habe sich nicht bewährt: "Die Verantwortungskonstellation in der Chefredaktion war zwar gut gemeint, hat aber in der Praxis nicht funktioniert, weil diese Aufstellung nicht zu Bild passt", sagt der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, "Bild braucht ganz klare Verhältnisse."

In einer Mail, mit der sich Koch von ihren Kollegen verabschiedete, klingen vor allem persönliche Differenzen an. "Wenn zwei Menschen professionell nicht harmonieren, lässt sich das eine Zeitlang durch Kompromisse ausgleichen", schreibt sie. Nun sei ihre Kompromissbereitschaft an ihre Grenzen gelangt.

Seit Diekmanns Weggang gab es Konflikte zwischen Koch und Reichelt

Für die Redaktion kommt der Abschied nicht ganz überraschend, in Konferenzen hätten Reichelt und Koch bisweilen gewirkt wie ein Paar mit Beziehungsproblemen, heißt es. Solange Diekmann noch als Herausgeber im Haus war, habe er ausgleichend zwischen den beiden Temperamenten gewirkt. Seit seinem Weggang vor fast genau einem Jahr habe es jedoch immer häufiger Konflikte zwischen der eher bedächtigen Koch und dem selbst- und machtbewussten Reichelt gegeben. Als im Herbst eine von Reichelt überarbeitete Neuauflage des Bild-Jubiläumsbuchs erschien, fehlte Koch in der Übersicht der Chefredakteure. Im Nachhinein kann man das als Vorzeichen lesen.

Nach Kochs Rückzug kann sich die Bild nicht mehr damit schmücken, die einzige überregionale Tageszeitung mit einer Frau an der Spitze zu sein, Kochs Berufung war 2015 eine Sensation. Auch darum werten in der Redaktion einige den Weggang von Koch, die seit 13 Jahren für den Verlag arbeitete, als Rückschritt. Schon im Oktober hatte Donata Hopfen die Bild verlassen, die bis dahin Verlagsgeschäftsführerin der Gruppe gewesen war. Ihr Herz schlage Bild-rot, schreibt Koch in ihrer Mail, sie gehe mit einem Lächeln. Wohin sie geht, wurde nicht bekannt.

Was auf den 37-jährigen Reichelt zukommt, steht dagegen fest. Die Bild hat zuletzt rasant und schneller als andere Zeitungen an Auflage verloren, allein im vergangenen Jahr ist die Auflage um mehr als 100 000 Exemplare auf zuletzt 1,57 Millionen geschrumpft. Für eine ARD-Doku ist Reichelt, der sich bei Twitter gern krawallig gibt, mal gefragt worden, was im Netz Klicks bringe. "Was immer funktioniert, ist die Kontroverse", war seine Antwort. Ob das auch fürs Blatt seine Strategie sein wird? In der Redaktion jedenfalls dürfte es künftig deutlich weniger kontrovers zugehen.