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Journalismus:Das sind die Podcast-Tipps des Monats

Was man im August am besten hört - die Podcasts des Monats.

(Foto: SZ)

Kindern wird im "Lachlabor" liebevoll die Welt erklärt, "PunktEU" ist politisch und unterhaltsam. SZ-Redakteure stellen die besten Podcasts vor, die es gerade zu hören gibt.

Podcasts haben einen neuen Boom des Geschichtenhörens ausgelöst - im Fiktionalen wie im Dokumentarischen und bei Ratgebern. Sie befördern neue Formate, zum Beispiel Serien, und bringen neue Produzenten hervor. Die SZ-Medienseite stellt jeden Monat ihre Favoriten vor.

Lachlabor

br.de/kinder/lachlabor

Natürlich erklären wir unseren Kinder immer und gerne und liebevoll die Welt. Nun ja, fast. Manchmal nervt die Fragenkanonade aus Wiesoweshalbwarum? doch, vor allem, wenn man keine Antwort weiß. Wie gut, dass es das Lachlabor für Kinder gibt. Da werden Fragen beantwortet, die sich die wenigsten überhaupt gestellt haben. Etwa: a) Was passiert, wenn man einen Frosch küsst? b) Kann man auf dem Mars Fahrradfahren? c) Wirkt Sonnencreme auch bei Schweinen? Für eine Annäherung an die Lösung werden Kinder befragt, experimentieren die Moderatoren Tina Gentner und Mischa Drautz im Studio und interviewen Experten, um die schrägen Fragen auch fundiert beantworten zu können. Ab dem Grundschulalter wird das 20 Minuten lange Lachlabor interessant, für Erwachsene gibt es auch schönen Stoff für den nächsten Partytalk. So weiß man nachher, dass nix passiert, wenn man einen Frosch küsst, es sei denn, es ist ein Pfeilgiftfrosch, dann ist die Zunge gelähmt. Claudia Fromme

The Clearing

gimletmedia.com/shows/the-clearing

Eine Frau ruft bei der Polizei an, weil sie ihren Vater für einen Mörder hält. 30 Jahre ist das Verbrechen her, ein Doppelmord an Teenagern, der Täter wurde lange nicht gefunden. So beginnen die Ermittlungen. Und so beginnt The Clearing, produziert von Pineapple Street und The Gimlet. Es geht um den Jahrzehnte zurückliegenden Doppelmord, aber eben nicht um dessen Aufklärung. Dass der Vater, Edward Wayne Edwards, der Schuldige ist, wird im Podcast recht bald klar. Doch hat er weitere Taten begangen? Der Frage geht Josh Dean nach, gemeinsam mit der Tochter, April Balascio. Diese Zusammenarbeit unterscheidet The Clearing von anderen True-Crime-Podcasts wie Serial: Balascio gibt Einblicke, die fast nur Angehörige haben können, darunter Polizeiakten und von ihrem Vater angefertigte Tonbandaufnahmen, und stellt selbst Fragen. In der amerikanischen Öffentlichkeit wird ihr Vater zeitweise für alle möglichen Serienmorde verantwortlich gemacht. The Clearing problematisiert dabei die Lust des Publikums am Schauder - und bedient dieses Bedürfnis gleichzeitig selbst. Vor allem aber geht es darum, wie sich das Leben als Kind eines Gewalttäters anfühlt. Elisa Britzelmeier

Der Abgrund

hoerverlag-serials.de

Um einen schlimmen Verdacht und den Verrat einer Freundschaft dreht sich auch der Thriller von Melanie Raabe. Schulfreunde treffen sich nach Jahren wieder, einige sind immer noch eng miteinander, teilweise sogar liiert, einer von ihnen hat sich jedoch entfremdet. Dieser Vincent muss gar nicht viel tun, um eine Lawine auszulösen, die etliche der ehemaligen Kumpels unter sich begraben wird - mit dem Dreck einer von allen verdrängten schmutzigen Geschichte aus der Abiturzeit. Mitunter wirkt der Thriller etwas zu konstruiert, er hat aber eine ausreichende Zahl an geheimnisvollen oder abgründigen Figuren. Stefan Fischer

Podcast Die Podcasts der Süddeutschen Zeitung
SZ-Audio

Die Podcasts der Süddeutschen Zeitung

Bleiben Sie mit den Podcasts der Süddeutschen Zeitung immer auf dem Laufenden. Unter diesem Link finden Sie alle Folgen der fünf SZ-Podcasts.

Nie im Kino

bayern2.de/podcast

Als Höhepunkt des Films war eine Musical-Einlage geplant, mit jonglierenden Fabelwesen, Kostümwechseln, Paraden und dem Auftritt Saurons, der sich "wie Tarzan" mitten ins Getümmel schwingen sollte. Fast jeder kennt Peter Jacksons Verfilmung von Der Herr der Ringe . Noch davor gab es aber bereits ein fertiges Drehbuch von John Boorman für eine Verfilmung des Romans, das sich nur grob an der Vorlage orientierte und die fantastische Welt J. R. R. Tolkiens mit Drogen, Musik, Sex und Gewalt ordentlich aufpeppen wollte. Verfilmt wurde diese Fassung aus verschiedenen, teils offensichtlichen Gründen nie. Der Podcast des Bayerischen Rundfunks hat sich solche gescheiterten Filmprojekte zum Thema gemacht und auch zu der gescheiterten Dune-Verfilmung von Alejandro Jodorowsky oder dem ebenfalls fertig geschrieben, aber nie realisierten Indiana Jones und der Affenkönig alle verfügbaren Informationen zusammengetragen, mit Experten gesprochen und manchmal sogar mit denen, die damals dabei gewesen waren. Das ist nicht nur wegen der oft überambitionierten Einfälle sehr unterhaltsam. Manche der Projekte haben trotz ihres Scheiterns ein bis heute andauerndes Nachleben entwickelt. So sorgt die Fanszene von Indiana Jones dafür, dass bis heute über einen Film diskutiert wird, den es nicht gibt. Nicolas Freund

Deine Homegirls

deinehomegirls.podigee.io

Man kann diesen Podcast im Jogginganzug hören, sehr gut sogar, und wird natürlich trotzdem nie an die Coolness der beiden Gastgeberinnen herankommen. Deine Homegirls nennen sich Josi Miller und Helen Fares, wenn sie durch ihren Podcast führen. Das Konzept: In jeder Folge kommt ein Gast aus der Hip-Hop-Szene vorbei, es gibt Gespräche und Musik, je nach Plattform entweder zwischendurch oder am Ende als Playlist. Wenngleich die Homegirls vom Fach sind - Fares arbeitet als Journalistin und Sängerin, Miller vorwiegend als DJane -, sind ihre Interviews auch für Nicht-Kenner der Szene spannend. Der Rapper Kool Savas zum Beispiel entpuppt sich als aufmerksamer Gegenwartsbeobachter, wenn er über Krypto-Währungen philosophiert. Für Diskussionen über saubere Doppelreime und krasse Hooks bleibt trotzdem Platz, nebenbei geht es noch um Poduschen, Enthaarungsmethoden, Zoophilie und Paketboten. Etwas mehr Struktur wäre im thematischen Durcheinander manchmal angenehm - aber auch deutlich weniger lässig. Kathrin Müller-Lancé

PunktEU

wdr.de/k/punktEU

Die EU hat den Ruf, vor allem bürokratisch und vom Alltag der Menschen weit weg zu sein. Warum sie aber, einfach gesagt, ziemlich relevant ist und was Politiker so alles treiben in Brüssel, erklärt Samuel Jackisch aus dem ARD-Studio in der belgischen Hauptstadt. Er lädt sich dafür meist Journalisten ein, und wenn die Kollegen loslegen, wird das ziemlich unterhaltsam. Im Plauderton machen sie ein Ungetüm wie das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten verständlich. Der Hörer versteht, wie die EU in den Verhandlungen europäische Standards verteidigt, die hiesige Bürger längst für selbstverständlich nehmen. In United States of Wie bitte?! lässt Jackisch einen Politikexperten in einer Minute erklären, wie die von Satiriker Jan Böhmermann besungenen Vereinigten Staaten von Europa Realität werden können. Das ist patente Polit-Information, Entdämonisierung der EU und sie kommt von Menschen, die offensichtlich ziemlich großen Spaß vor dem Mikrofon haben. Clara Lipkowski

sz.de/podcast-tipps

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