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Berliner Runde:"Es geht um Deutschland"

"Tatsächlich aber stehen die nächsten Wahlkämpfe bereits an: Am 15. Oktober in Niedersachsen und kommendes Jahr in Bayern. Und so macht auch CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann schon am Abend der Bundestagstagswahl Wahlkampf in seinem Heimatland, wenn er ankündigt, man müsse daraus lernen, was die AfD-Wähler wollten. In seinen Worten bahnt sich an, dass die Christsozialen noch weiter nach rechts rücken könnten, um wirklich keine Partei rechts neben sich zu tolerieren.

Alle Parteien und auch die Medien hätten sich in den vergangenen Wochen des Wahlkampfes fast nur mit der AfD beschäftigt, kritisiert Göring-Eckhardt. Die Grüne warnt die CSU, diese Partei nicht zu kopieren, "weil dann das Original gewählt wird". Lindner ergänzt, er kenne diese Leute ja aus dem Parlament in Nordrhein-Westfalen: "Die haben kein Interesse an Inhalten", sagt der FDP-Chef, die Abgeordneten dieser Partei seien bei wichtigen Abstimmungen und Debatten "immer am Buffet".

"Ein Parlament ohne Provokationen wird es nicht geben"

Trotz dieser Mahnung dreht sich dann die Diskussion um die Positionen und das Gebaren der AfD - bis Bayerns Innenminister Joachim Herrmann der Kragen platzt. Eigentlich ist der CSUler dafür bekannt, ein ruhiger, besonnener Mann zu sein, doch nun zeigt er verärgert die ganze Misere auf, die auch den Wahlkampf bestimmte: "Wir haben schon wieder mehr als die Hälfte der Zeit über die AfD geredet." Wohl wahr.

Ganz zum Schluss verwahrt sich dann noch die an diesem Wahlabend sehr ruhige Merkel gegen Personalschachereien, in die die Runde nach Herrmanns richtigen Worten ein paar Minuten abzugleiten scheint: "Es geht um Deutschland, um seine Zukunft in einer ziemlich turbulenten Welt", sagt die Kanzlerin. Und dann: "In der Ruhe liegt die Kraft."

Ob Ruhe angesichts von mehr als 90 Abgeordneten der AfD im Bundestag ausreichen wird, die die Kanzlerin jagen wollen, wie es AfD-Spitzenkandidat Gauland ankündigte, wird sich ab Montag in einer neuen Republik zeigen.

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