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Berliner Runde:Von schlechten Verlierern und Dauergästen am Buffet

Berliner Runde mit den Parteichefs und Spitzenkandidaten (von links) Katja Kipping, Jörg Meuthen, Joachim Herrmann, Angela Merkel, die Moderatoren Rainald Becker und Peter Frey, Martin Schulz, Christian Lindner und Katrin Goering-Eckardt

(Foto: AP)

Martin Schulz ist beleidigt, die AfD das beherrschende Thema - und Kanzlerin Merkel erlebt ein Déjà-vu: In der Elefantenrunde der Öffentlich-Rechtlichen werden Erinnerungen wach an einen legendären Abend vor zwölf Jahren.

Martin Schulz wirkt fast beleidigt, als er aggressiv ankündigt, die SPD werde in die Opposition gehen und als "starkes Bollwerk gegen die Feinde der Demokratie" agieren. Der gescheiterte Kanzlerkandidat ist sich sicher: Es wird eine Jamaika-Koalition geben, da Merkel auf jeden Fall Kanzlerin bleiben wolle. "Sie werden sich keine Sorgen machen müssen, sie kriegen alles durch", richtet er sich an die Grünen und die FDP. "Frau Merkel wird Ihnen sehr weit entgegen kommen."

Angela Merkel dürfte es wie ein Déjà-vu vorgekommen sein, als der unterlegene Herausforderer Martin Schulz in der "Elefantenrunde" von ARD und ZDF auf sie losgeht. Einen "skandalösen" Wahlkampf habe die Kanzlerin geführt, schimpft der SPD-Chef. Mit ihrer "systematischen Verweigerung von Politik" habe sie die AfD gestärkt. Merkel trage eine "große Verantwortung" für deren Erfolg, die Union habe eine "verdiente Niederlage" eingefahren.

Vor zwölf Jahren erlebte Merkel etwas Ähnliches - allerdings mit dem damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder. Gegen den hatte sie gerade mit hauchdünner Mehrheit die Wahl gewonnen, trotzdem stellte er sie in einer legendären Elefantenrunde als Verliererin dar. Schröder wirkte wie berauscht von seiner Aufholjagd, die ihm in letzter Minute noch fast den Sieg gebracht hatte. Aber eben nur fast. Merkel wurde Kanzlerin und wird es auch bleiben - trotz minus acht Prozent für die Union.

"Schulz redet sich um Kopf und Kragen"

Die Berliner Runde von ARD und ZDF beginnt in den ersten zwei Minuten ganz zivil, bevor sie so aus dem Ruder läuft. Martin Schulz ist kein souveräner Verlierer - und Merkel kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Sie sei "etwas traurig", dass Schulz die Errungenschaften der Großen Koalition so nieder machen würde.

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Außerdem habe man ja den Regierungsauftrag als stärkste Partei. Zwar sei die Wahl nicht so ausgegangen, wie sie sich das gewünscht habe, aber es sei, sagt sie, "ein Ergebnis, auf das sich aufbauen lässt". Auch sei die große Koalition nicht abgewählt worden, lockt sie, rechnerisch würde es immer noch reichen.

Schulz nennt ihren Appell an die Verantwortung der SPD "ein starkes Stück": Die Sozialdemokraten hätten bis zum Wahltag ihr Wort gehalten. Damit sei jetzt Schluss, weil die Groko "politisch abgewählt" worden sei.

Erstmals kommt nun auch FDP-Chef Christian Lindner zu Wort: Schulz rede sich "um Kopf und Kragen", weil er eine "Koalition der Lähmung" prognostiziere und sie offenbar auch wolle. Hier treibt einer öffentlich schon der Preis des Eintritts der FDP in eine Koalition mit der CDU/CSU und den Grünen in die Höhe. Das wirkt allerdings auch so, als die Grünen-Spitzenkandidatin und mögliche künftige Koalitionärin Katrin Göring-Eckardt mahnt, dass Schulz nicht schon den Wahlkampf in vier Jahren führen solle.