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Berlin-Tatort: "Alles hat seinen Preis":Auch die letzte Hoffnung stirbt

Das neue Berlin gegen das ganz alte: Die Not der allenfalls mittelgroßen Leute wird im modernen Leben immer größer - irgend ein Krawattenfatzke grätscht ihnen immer dazwischen. Dieser Tatort will eine Milieustudie sein, doch ständig schwingt ein naiver Blick auf die gute alte Zeit mit.

Dieser Tatort fängt ziemlich klein an, bei den Berliner Taxifahrern, auf den Berliner Hinterhöfen, in den Berliner Eckkneipen, wo noch immer - und wahrscheinlich noch in hundert Jahren - "Griechischer Wein" aus den Musikanlagen tröpfelt. Eine Milieustudio will diese Episode vom RBB sein, allerdings eine mit Anspruch: das merkt man ihr gleich schmerzhaft an.

Kommissar Felix Stark (Boris Aljinovic) und Kommissar Till Ritter (Dominic Raacke) befragen Edith Welzien (Renate Krößner) zur Ermordung ihres Chefs.

(Foto: rbb/Daniela Incoronato)

Das Meta-Thema sind die Abgründe des modernen, vernetzten Lebens, es geht um Globalisierungsgift und Bankenmacht. Die kleinen Leute wollen aus den Mietskasernen raus, sie verheddern sich in ihren Businessplänen. Und in den kalten Glaspalästen Berlins, wo die richtigen Deals abgewickelt werden: da bleiben sie Verlierer, da sind sie Verlorene.

Grill Royal gegen die Drei Damen vom Grill, Sony Center gegen Deutschlandhalle, das neue Berlin gegen das ganz alte. So ein Konflikt ist gut für jede Story, ähnlich gestrickt war neulich der Fall aus München, der auch klein anfing und dann wuchs zu einem leise erzählten Drama. Dieser Tatort hier entwickelt sich nicht. Ständig schwingt ein naiver Blick auf die gute alte Zeit mit, wenn die Not der allenfalls mittelgroßen Leute besungen wird, deren tolle Pläne nicht aufgehen, weil dauernd irgendein Krawattenfatzke dazwischengrätscht.

"Heutzutage ist es doch so, je größer ein Kredit, desto eher wird er bewilligt." "Wenn die das Shoppingcenter hier hochziehen, ist sowieso Feierabend für alle." Solche Sätze stehen im Drehbuch, es wird beklagt, dass der kleine Kunde nicht mehr wichtig ist für die großen Filialen und dass die Espressomaschine so viel kostet wie früher ein Auto. Unterlegt ist alles mit der verzagten Melodie eines Pianisten, vermutlich Herthaner, der die tiefschwarzen Tasten anschlägt. Dazu sieht man den weinenden Fernsehturm, außerdem dauernd den Straßenverkehr am Abend: Um die Zeit spiegelt sich das Ampelmännchen so schön in der Schaufensterfront.

So geht es immer weiter, in einem schwer Altberliner Erzähltempo. Einmal küssen sich zwei Frauen, jedenfalls beinahe, und weil diese Frauen von Nicolette Krebitz und Alwara Höfels gespielt werden, sieht das sehr gut aus. Den Rest fasst Kommissar Ritter (Dominik Raake) im Dialog mit einem Verdächtigen zusammen. "Ich hatte da 'n kleines Problem", sagt der Verdächtige. "Jetzt wird es ja vielleicht doch noch interessant", sagt der Kommissar. Dann stirbt auch diese letzte Hoffnung.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.