Berichterstattung aus Libyen:Eine Alternative gibt es nicht

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Doch damit diese Dokumente entstehen, müssen Kameraleute, Reporter und Fotografen in Krisenregionen fahren, sich den dortigen Widrigkeiten und Gefahren aussetzen. Dass dies ein wahrlich gefährlicher Job ist, den etliche Medienleute jährlich mit ihrem Leben bezahlen, zeigte gerade erst ein Vorfall im Bürgerkriegsgebiet Libyen: Drei Mitarbeiter des britischen Fernsehsenders BBC wurden festgehalten und von Gaddafis Soldaten mit sogenannten Scheinhinrichtungen gefoltert.

Gniffke erklärt: "Es ist die Krux von Krisenberichterstattung, dass wir Menschen über etwas informieren, das wir nur zeigen können, wenn wir Reporter und Kameraleute in Gefahr bringen. Dennoch halte ich inszenierte Bilder für nicht legitim." Doch eine Alternative gibt es nicht.

Das erlebt auch Antonia Rados. Die RTL-Kriegsberichterstatterin ist derzeit in Libyen unterwegs. Sie findet die Einwände des SF-Kollegen abwegig: "Ich selbst war eine Woche in Bengasi, vor Ausbruch der Kampfhandlungen. Ich habe niemanden gebeten, für meine Kamera zu schießen. Im Gegenteil: In Ras Lanuf schossen Rebellen einfach so in die Luft - wir hörten sofort auf, zu filmen.

Es würde mich auch wundern, wenn erfahrene Kollegen wie John Simpson von der BBC sich in Ostlibyen so verhalten wie Scheben es darstellt." Vielmehr erklärt Rados, die sich derzeit mit etwa 100 anderen Reportern in Tripolis aufhält, gebe es ein anderes Problem bei der Berichterstattung: "Wir können uns nicht frei bewegen." Das macht einen Blick hinter die Kulissen schwierig. Doch auch das muss eben nach journalistischer Sorgfaltspflicht kommuniziert werden: "Ich sage das bei jeder Gelegenheit auf dem Sender."

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