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Beliebte Weihnachtslieder:Liebeswund durch den Schnee

Illustration Weihnachtssongs

Radio an Weihnachten - Nostalgie und Feeling good aus den Achtzigern. Illustration: Alper Özer

"Wham!", Chris Rea und Band Aid: Die meistgespielten Weihnachtshits im Radio haben alle einen gemeinsamen Ursprung.

Von Stefan Fischer

Wetten, dass es so war? Auf irgendeinem Radiosender läuft Last Christmas von Wham!, die Moderatorin im Studio nimmt einen Schluck von ihrem Weihnachtstee, gleich wird sie den Song abmoderieren, wieder einmal. Da melden die Nachrichtenagenturen, wenige Takte vor dem Ende des Hits: George Michael ist gestorben.

Diese Szene aus den frühen Stunden des 26. Dezember 2016 ist natürlich reine Spekulation. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich doch genau so zugetragen hat, bei irgendeinem Radiosender, ist hoch. Wüsste man, zu welcher Welle man jeweils zappen müsste: Man könnte das Lied an den Weihnachtsfeiertagen vermutlich nonstop hören. Last Christmas ist hierzulande der am häufigsten im Radio gespielte Weihnachts-Popsong. Das hat die Gema, die die Urheberrechte von Musikern wahrnimmt, fürs vergangene Jahr ermittelt (hier die Top Ten zum Anhören auf Spotify). Zahlen für diesen Advent liegen noch nicht vor.

Dass George Michael, der in den Achtzigerjahren gemeinsam mit Andrew Ridgeley Wham! war, just an Weihnachten gestorben ist, das ist bei aller Tragik seines zumal recht frühen Todes weitaus kitschiger, als es selbst ein Weihnachtssong je sein kann: 1984 wurde nicht nur Last Christmas ein Hit, sondern auch die Benefiz-Single Do they know it's Christmas des Projekts Band Aid - der am dritthäufigsten im Radio gespielte Weihnachtssong. Auch da am Mikrofon, neben vielen anderen: George Michael. Er ist dadurch so etwas wie der Weihnachtsengel des Pop geworden - der Eindruck wird noch verstärkt durch die blondgeföhnte Traumverlorenheit, mit der er als Jüngling im Musikvideo zu Last Christmas in den Kerzenschein blickt.

In dem Video tollen ein Dutzend Freunde wahlweise liebestrunken oder liebeswund durch den Schnee, auf dem Weg in ein Chalet oberhalb von Saas-Fee, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Last Christmas hat, wenn man so will, zwei Lawinen ausgelöst: Das Video hat den Chalet-Tourismus in der Schweiz so richtig ins Rollen gebracht. Und der Song hat dem Genre der Weihnachtshits einen gewaltigen Schub verliehen. Von 1984 bis 1986 wurden so viele künftige Klassiker aufgenommen wie nie zuvor - und auch nachher nicht mehr.

Unter den Top 15 auf der Gema-Liste sind die Hälfte der Songs aus der Mitte der Achtzigerjahre: Voran die drei Erstplatzierten, neben Last Christmas und Do they know it's Christmas noch Driving home for Christmas von Chris Rea. Darüber hinaus Thank God it's Christmas von Queen (Platz 9), Christmas Time von Bryan Adams (Platz 11) sowie Merry Christmas everyone von Shakin' Stevens (Platz 15). Außerdem ein Lied, das gar kein Weihnachtssong ist, aber in der Adventszeit regelmäßig mächtig durch die Musikrotation der Sender wirbelt: Hallelujah, Leonard Cohens Lobpreisung Gottes (Platz 13).

Cohen war ein Musiker, mit dem es die Achtzigerjahre eigentlich nicht besonders gut gemeint haben. Es war das Jahrzehnt von Madonna und Prince, von Michael Jackson und den Pet Shop Boys. Das Jahrzehnt Pop. Für Blues- und Folkmusiker, Singer-Songwriter und Rock 'n' Roller wurde es damals schwierig.

Wenn es also eine perfekte Zeit gab für klanggewordenen Glühwein und Tonspuren aus Lametta, dann diese insbesondere auch politisch relativ sorgenfreien Jahre der Entspannungspolitik zwischen Ost und West. Später kam dann nicht mehr viel: Mariah Carey mit All I want for Christmas is you (1994, Platz 5) und Wonderful dream von Melanie Thornton (2001, Platz 4), der einzigen nach der Jahrtausendwende veröffentlichten Top-25-Nummer. Stattdessen überdauern Hits aus den Dreißiger- bis Sechzigerjahren: White Christmas etwa, Santa Claus is comin' to town oder Rudolph, the red-nosed reindeer, über die Jahre von verschiedenen Sängern interpretiert - beinahe immer war Bing Crosby einer von ihnen. Aber darum geht es an Weihnachten schließlich: um Nostalgie.

© SZ/cag
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