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Portal Tut.by:Belarussische Nachrichtenseite gesperrt

MINSK, BELARUS - SEPTEMBER 29, 2020: A woman walks at the office of the online media outlet Tut.by. According to the ord; Tut.by

MINSK, BELARUS - SEPTEMBER 30, 2020: The office of the Tut.by Belarusian online media outlet. According to the order of

Vor dem Büro von Tut.by. Die Behörden gehen rigide gegen das Medium vor.

(Foto: Natalia Fedosenko/imago images/ITAR-TASS)

Tut.by war eine der letzten Quellen für unabhängige Informationen. Behörden durchsuchen Redaktionsräume und nehmen Mitglieder fest, darunter die Chefredakteurin.

Von Silke Bigalke, Moskau

Die belarussischen Behörden haben die Nachrichtenseite Tut.by gesperrt und damit eine der letzten Quellen für unabhängige Informationen im Land. Sicherheitskräfte durchsuchten am Dienstag die Redaktionsräume und Wohnungen mehrerer Mitarbeiter des Nachrichtenportals. Acht Journalisten und Redaktionsmitglieder sind nach Angaben von Tut.by festgenommen worden, darunter Chefredakteurin Marina Solotowa. Offiziell wird ihnen Steuerbetrug vorgeworfen. Die Sperrung der Seite begründen die Behörden damit, dass diese "verbotene Informationen" veröffentlicht habe.

Von einem "vorsätzlichen Mord" an dem unabhängigen Nachrichtenportal schrieb Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja auf Telegram. Sie fordere die EU dringend auf, belarussische Journalisten zu schützen und unabhängigen Medien dabei zu helfen, ihre Arbeit fortzusetzen. Diese ist in Belarus seit der offensichtlich gefälschten Präsidentenwahl im August 2020 noch schwieriger geworden.

Immer eine Zahnbürste dabei - für den Fall der Festnahme

Nach der Abstimmung brachen Massenproteste gegen Machthaber Alexander Lukaschenko aus, die dessen Sicherheitskräfte mit großer Gewalt niederschlugen. Auf Journalisten machten sie dabei gezielt Jagd, zerstörten ihre Ausrüstung, griffen sie mitunter körperlich an. Allein im vergangenen Jahr zählte der belarussische Journalistenverband BAJ 480 Festnahmen, 23 Journalisten sitzen laut Verband aktuell im Gefängnis. Einige von ihnen wurden wegen ihrer Berichterstattung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der Nachrichtenseite Tut.by hatten die Behörden bereits im Herbst die Medienlizenz entzogen. Die Redaktion arbeitete dennoch weiter, ließ ihre Mitarbeiter aber nicht mehr vor Ort von Demonstrationen berichten. Politikredakteurin Jelena Tolkatschowa sagte der SZ damals, dass sie stets warme Kleidung und eine Zahnbürste bei sich trage, falls sie festgenommen werde. "Ich kann aber nicht sagen, dass ich Angst habe. Ich mache meine Arbeit. Es ist leider in unserem Staat so, dass man für diese Arbeit ins Gefängnis kommen kann." Jelena Tolkatschowa gehört zu den acht Redaktionsmitgliedern, die am Dienstag in Minsk festgenommen wurden. Laut Tut.by wird sie in der berüchtigten Haftanstalt in der Okrestin-Straße festgehalten, wo vergangenen Sommer Hunderte Demonstranten misshandelt worden waren.

© SZ/ebri
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Jelena Tolkatschowa

Interview am Morgen: Pressefreiheit in Belarus
:"Für diese Arbeit kann man ins Gefängnis kommen"

Die belarussische Reporterin Jelena Tolkatschowa erzählt, wie die Sicherheitskräfte bei den Massenprotesten gegen sie und ihre Kollegen vorgehen. Und warum sie zuletzt immer ein Paar extra Socken mit zur Arbeit gebracht hat.

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