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Proteste in Belarus:Polizei hält ARD-Kamerateam in Minsk über Nacht fest

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Allein am Samstag seien zunächst 17 Arbeitserlaubnisse für Journalisten widerrufen worden, gab der belarussische Journalistenverband bekannt.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Laut dem WDR wurde den Journalisten nach ihrer Freilassung die Akkreditierung entzogen. Offenbar wollen die Behörden eine Berichterstattung über die Proteste verhindern.

Ein Kamerateam der ARD ist nach seiner Berichterstattung über die Proteste in Belarus (Weißrussland) in Minsk vorübergehend festgenommen worden. Die drei Mitarbeiter seien vor ihrem Hotel festgesetzt und über Nacht in einer Polizeistation festgehalten worden, teilte der WDR am Samstag in Köln mit. Sie kamen demnach am Vormittag wieder frei. Laut WDR wurde ihnen die Akkreditierung entzogen und der russische Kameramann und der russische Kamera-Assistent des Landes verwiesen. Der belarussische Produzent komme am Montag vor Gericht.

Wie der WDR weiter bekanntgab, war der ARD-Korrespondent Jo Angerer nicht von der Verhaftung betroffen. Er hielt sich zu dem Zeitpunkt nicht beim Team auf, wurde aber am späteren Abend ebenfalls vor dem Hotel von der Polizei kontrolliert.

Die autoritäre Staatsführung ist zuletzt massiv gegen Journalisten vorgegangen. Bereits am Vortag kamen etwa 50 Journalisten vorübergehend in Polizeigewahrsam, darunter eine Korrespondentin der Deutschen Welle und ein ZDF-Kamerateam.

WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn sagte zu der vorläufigen Festnahme des ARD-Teams: "Ich bin entsetzt über die aktuellen Geschehnisse und halte den Umgang mit unserem Team in Minsk für absolut inakzeptabel." Der Vorfall zeige, dass eine unabhängige Berichterstattung in Belarus immer weiter erschwert und beinahe unmöglich gemacht werde, sagte er. "Wir lassen uns als öffentlich-rechtlicher Rundfunk jedoch nicht einschüchtern und werden alles daran setzen, dass unsere Journalisten auch weiterhin über die Vorgänge, Proteste und Demonstrationen in Belarus kritisch und unabhängig berichten können", betonte Schönenborn.

Die Behörden wollen Berichterstattung über die Proteste offenbar verhindern

Der belarussische Journalistenverband sprach von einem massiven Entzug von Akkreditierungen auch für Medienvertreter aus Belarus, die für ausländische Fernseh- oder Rundfunksender, Zeitungen oder Nachrichtenagenturen arbeiteten. Allein am Samstag seien zunächst 17 Arbeitserlaubnisse widerrufen worden. Die Behörden wollen damit offenbar eine Berichterstattung über die Proteste verhindern.

Seit der umstrittenen Wahl vor rund drei Wochen gibt es landesweit Demonstrationen gegen Staatschef Alexander Lukaschenko, der den Wahlsieg mit 80,1 Prozent der Stimmen für sich beansprucht.

© SZ/dpa/khil/biaz

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