Verlegerverband:Funke Mediengruppe fordert Döpfners Rücktritt

Lesezeit: 2 min

Verlegerverband: Die Gruppe von Verlegerin Julia Becker denkt über einen Austritt aus dem Verband nach.

Die Gruppe von Verlegerin Julia Becker denkt über einen Austritt aus dem Verband nach.

(Foto: Funke)

Kann der Springer-Chef Verlegerpräsident bleiben? Der Konzern von Julia Becker hat "Sorge, dass die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche gefährdet ist".

Von Anna Ernst

Kann Springer-Chef Mathias Döpfner nach der Reichelt-Affäre angemessen die Interessen der deutschen Zeitungsverleger repräsentieren? Als Präsident vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) ist diese Lobbyarbeit seine Aufgabe - auch auf europäischer Ebene. Die Funke Mediengruppe aus Essen positioniert sich in der Frage sehr viel deutlicher, als es die anderen deutschen Verlagseigentümer tun. In einem Statement, das der SZ vorliegt, fordert sie Döpfners Rücktritt als Verleger-Präsident - und droht nun auch öffentlich mit dem Austritt aus dem Verband.

Der Springer-Chef ist vor zwei Wochen durch einen Bericht in der Financial Times schwer belastet worden. Der Vorstand soll demnach mit großen Aufwand versucht haben, die Affären Reichelts zu vertuschen. Döpfner habe einen Anwalt mit einer Gegenuntersuchung beauftragt, mit Ermittlungen gegen Betroffene und angebliche Strippenzieher.

Trotzdem war Döpfners Präsidentschaft bei der BDZV-Sitzung Mitte Februar kein Thema - und seine Rolle in der Reichelt-Affäre kaum mehr als eine Randnotiz. Einzig die Funke-Gruppe hatte Kritik geäußert. Für den Konzern von Verlegerin Julia Becker steht fest: "Wir halten die hier geforderte Trennung von Präsidentenamt und Person für nicht haltbar. Deshalb erwarten wir eine personelle Neuaufstellung an der Spitze des BDZV." Man sehe "die Werte, die wohl jedes dem Journalismus verpflichtete Verlagshaus auszeichnen", nicht mehr ausreichend repräsentiert. "Zudem haben wir Sorge, dass die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche gefährdet ist." Funke hatte bereits bei der Verbandssitzung mit dem Austritt gedroht. Damit "wollen wir ein deutliches Zeichen setzen, dass sich etwas ändern muss", heißt es in dem Statement.

Funke ist einer der größten Beitragszahler im Verband und genießt besondere Rechte

Der Mitgliedsbeitrag im BDZV ermisst sich anhand der Auflagenstärke - und Funke mitsamt seinen zwölf Regionalzeitungen (u.a. WAZ, Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt) gehört zu den größten Beitragszahlern. Dem Konzern stehen damit auch besondere Rechte innerhalb des Verbands zu, die Verlagsgruppe ist Teil des Präsidiums. Ein Austritt wäre finanziell und symbolisch bedeutend - und obendrein ein Novum. "Nach meiner Erinnerung ist bisher kein Verlag, der im Präsidium vertreten war, aus dem Verband ausgetreten", sagt eine BDZV-Sprecherin.

Vorerst aber scheinen die Essener auf Döpfners Rücktritt und weitere Umstrukturierungen des Verbands zu setzen. Funke hatte in einem Diskussionspapier bereits einen "strukturellen Reformprozess" und "langfristig die Fusion aller Medienverbände" gefordert. Eine Projektgruppe soll diese Vorschläge nun durchgehen, das hatte der BDZV nach der Sitzung angekündigt. "Die Diskussion darüber sollte offen und ohne Denkverbote, gerade auch zur künftigen Konstellation an der Spitze, geführt werden", heißt es nun von Funke.

Wie es weitergeht? Der BDZV ist ahnungslos

Zuletzt hatte sich auch das Verlagshaus Madsack aus Hannover überraschend zu einem symbolischen Schritt gegen Döpfner entschieden: Vor einer Woche ist Geschäftsführer Thomas Düffert von seinem Stellvertreterposten im BDZV zurückgetreten. In einem Statement deutete er einen Vertrauensverlust an. Madsack will im Verband bleiben, die Zusammenarbeit mit Springer-Chef Döpfner im geschäftsführenden Präsidium aber wurde beendet.

Neben Döpfner bleiben nun noch drei der ursprünglich vier Stellvertreter. Und beim Verband herrscht eine gewisse Ratlosigkeit nach dem Rücktritt von Thomas Düffert. "Die Entscheidung, ob eine Nachfolge benannt wird, liegt gemeinsam in den Händen aller großen Verlagsgruppen, die direkt im Präsidium vertreten sind", teilt eine BDZV-Sprecherin mit. Wann damit zu rechnen sei? "Wissen wir nicht."

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