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BBC-Tierfilme:Mehr Science als Fiction

2089 Tage lang sind die Kameramänner der BBC auf der ganzen Welt unterwegs gewesen. Bei einem Drehort - einer Insel im Südatlantik, auf der Zügelpinguine brüten - dauerte allein die Anreise neun Tage. Die Kameraleute arbeiteten mit hochauflösenden Ultra-HD- und Hochgeschwindigkeitskameras, die von Drohnen hoch in die Wipfel der Regenwälder oder von Fallschirmspringern die Berge hinabgeflogen wurden. Im Himalaja gelang es der BBC durch Kamerafallen, die per Bewegungsmelder aktiviert werden, gleich vier Schneeleoparden zu filmen - obwohl es auf der ganzen Welt nur noch ein paar Tausend Exemplare geben soll.

Außer der gestauchten Making-ofs gibt es noch einen entscheidenden Unterschied zwischen der ZDF-Variante und dem britischen Original: David Attenborough. Der Tierfilmer und Naturforscher ist für die Briten so etwas wie eine Mischung aus Heinz Sielmann und dem Weihnachtsmann. Auf der Insel ist er so einflussreich, dass das britische Polarforschungsprogramm kürzlich sein neuestes Forschungsschiff nach ihm benannt hat - auch wenn sich die Briten bei einer Abstimmung im Netz eigentlich für den Namen Boaty McBoatface ausgesprochen hatten. Immerhin soll nun eines der Tauchfahrzeuge des Bootes so heißen.

Berge, Dschungel, Wüste

Der deutsche Sprecher ist Christian Schult, der sehr ähnlich klingt wie sein Vater Rolf, der wiederum bis zu seinem Tod die Stimme von Robert Redford war. Auch Christian Schult hat eine beeindruckende Stimme, aber ohne das Geschichtenerzählonkelhafte von Attenborough. In Deutschland klingt die Serie darum mehr nach Science als nach Fiction.

BBC Die BBC - so hochgelobt wie umstritten
Britisches Fernsehen

Die BBC - so hochgelobt wie umstritten

Die BBC macht das beste TV-Programm der Welt - mit deutlich weniger Geld als ARD und ZDF. Und doch ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Großbritannien umstritten.   Von Christian Zaschke

Wie in der ersten Staffel ist jede Episode einem bestimmten Lebensraum gewidmet: den Bergen, dem Dschungel, der Wüste. Die stärkste Folge der zweiten Staffel aber zeigt ein Habitat, das vor zehn Jahren noch nicht beleuchtet wurde: Städte, an die sich manche Tiere auf erstaunliche Weise angepasst haben. So wie die Welse in der südfranzösischen Stadt Albi, die sich angewöhnt haben, Tauben zu fangen, die sich am Flussufer niederlassen. In Indien gelangen mit Wärmebildkameras erstmals Aufnahmen von Leoparden, die nachts in Mumbai Schweine jagen.

Aber nicht überall geht es Tieren in der Stadt gut. An den Stränden von Barbados legen Karettschildkröten ihre Eier; sie schlüpfen bei Vollmond und krabbeln dann auf das hellste Licht zu: den Mond über dem Meer, eigentlich. Auf Barbados aber ist das hellste Licht in der Nacht die Stadt. 80 Prozent der Babyschildkröten laufen in die falsche Richtung, werden von Autos überfahren oder fallen in Gullys, aus denen sie nur mithilfe von Freiwilligen entkommen können. Ganz ohne mahnenden Zeigefinger kommt ein Format wie Planet Earth wohl doch nicht aus.

Nach dem Erfolg der zweiten Staffel will man bei der BBC eine dritte nicht ausschließen, selbst wenn erneut zehn Jahre vergehen könnten. Ob die wieder so ein Knaller wird, hängt laut dem Produzenten Mike Gunston aber auch von höheren Mächten ab: "Klar würde ich gerne hoffen, dass der Erfolg der Sendung an ihrer Qualität liegt, aber ich glaube, das liegt auch an dem Zeitpunkt", sagte er dem Guardian. "Wenn man mit den Leuten spricht, bekommt man den Eindruck, dass die sich zuletzt Sorgen um unsere Welt gemacht haben. Das hier ist eine Möglichkeit, die Wunder der Welt zu sehen und sich vielleicht ein bisschen abzulenken", sagt er.

Terra X: Eine Erde - viele Welten , sonntags, Folge 1 um 19.15 Uhr. Folgen 2 bis 6 um 19.30 Uhr.

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