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BBC-Serie:Der seltsame Job des Kindermädchens

Love, Nina, Folge 3

Leben der Bohème: Kindermädchen Nina (Faye Marsay) mit Herausforderer Max (Harry Webster).

(Foto: Nick Wall/See-Saw Films/WDR)

Selbst einer niedrigeren sozialen Klasse entsprungen, blickt das Kindermädchen in der BBC-Serie "Love, Nina" humorvoll auf den skurrilen Alltag ihrer Dienstherren.

TV-Kritik von Benedikt Frank

Nina geht gern barfuß, auch durch die regennassen Straßen Londons. Sogar zum Vorstellungsgespräch läuft sie lieber ganz unten unbekleidet bis vor die Türschwelle, um dort noch schnell vor Betreten des Hauses in ihre Schuhe zu schlüpfen. Spießig geht umgekehrt. Die Stelle als Kindermädchen bekommt sie zunächst nicht. Mit ihren Füßen hat das allerdings nichts zu tun. Sie scheitert am Verhör der Buben Joe und Max: Der Frage nach ihrer Jungfräulichkeit kann sie noch halbwegs ausweichen; wer sich aber zum Fußballverein Leicester City bekennt, und sei es nur, weil man wie Nina aus der Gegend stammt, kommt nicht ins Haus.

Da es mit den Jungs kaum jemand lange aushält, bekommt Nina den Job später aber doch noch. Von da an beschreibt sie das seltsame Verhalten der Großstadtbewohner in Briefen nach Hause. Sie enden stets mit "Love, Nina". Diese Grußformel diente bereits als Titel des 2013 erschienen Buchs von Nina Stibbe, das zu ihrer Zeit als Kindermädchen von Mary-Kay Wilmers, der Herausgeberin von London Review of Books, in den Achtzigerjahren spielt. Nick Hornby hat das Werk für die BBC als fünfteilige Miniserie adaptiert.

Faye Marsay aus "Game of Thrones" spielt die Hauptfigur

Geändert hat er einige Namen, sodass etwa anstelle des Schriftstellers Alan Bennett nun der fiktive Dichter Malcolm Tanner abends an Ninas Kochkünsten herumnörgelt (Dosentomaten im Eintopf gehen gar nicht, der Pudding soll aber bitte keinesfalls selbstgemacht sein). Wilmers heißt nun George und einer ihrer realen, mittlerweile erwachsenen Söhne spielt einen der Nachbarn.

Faye Marsay, die in Game of Thrones ein Mitglied eines geheimnisvollen Attentäter-Ordens spielt, ist in Love, Nina die gutmütige Hauptfigur. Ihre Rolle ist es, durch den Filter ihrer Herkunft aus einer niedrigeren sozialen Klasse den Alltag ihrer Dienstherren als Störfaktor und naive Beobachterin zu begleiten. Der Humor wird britisch trocken und eher subtil serviert.

Wenn etwa ein Nachbar vorbeikommt und sich gleich über den Kühlschrankinhalt hermacht, kostet die Szene den zunehmenden Ekel Ninas vor dem sich kratzenden Herren genüsslich aus. Sie hat Gerüchte aufgeschnappt, die sie glauben lassen, er habe sich bei einer Dame Filzläuse geholt. Ihr verklemmt höflicher Smalltalk ist auch kein gutes Mittel, um den Klatsch zu widerlegen. Auch beim Abendessen mithilfe von Pantomime - die neunmalklugen Kinder hören ja mit - das Thema anzusprechen, scheitert köstlich.

Zusammengehalten wird der Einblick in das nur fast normale Leben der Londoner Künstler von einer überaus herzlichen Stimmung, die durch die liebenswerten Charaktere getragen wird. Es ist wie ein freundliches Märchen, nur mit Nanny Nina statt einer guten Fee und statt eines magischen Waldes bezaubert das Alltägliche.

Love, Nina, One, je zwei Folgen, freitags, 20.15 Uhr.

© SZ vom 23.03.2017/smb
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