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Geschlechtergerechte Bezahlung:Die sieben mit den höchsten Gehältern waren Männer

Bilder des Jahres 2019, Entertainment 10 Oktober Entertainment Bilder des Tages October 28, 2019, London, LONDON, UK: Lo

Unter Wert? Newswatch-Moderatorin Samira Ahmed vor dem Arbeitsgericht in London.

(Foto: Vickie Flores/imago)
  • Bei der britischen BBC verdienen Frauen im Durchschnitt 7,6 Prozent weniger als Männer.
  • Die Moderatorin Samira Ahmed hat den Sender nun verklagt: Sie fordert eine Ausgleichszahlung von etwa 750 000 Euro.

Im vergangenen Frühjahr berichtete die BBC über die neuesten Zahlen zur sogenannten Gender Pay Gap, verbunden mit einem Service für ihre Zuschauer: Britische Firmen ab einer bestimmten Größe mussten bis zu einem Stichtag im April bekannt geben, ob sie weiblichen Angestellten für vergleichbare Arbeit das gleiche Gehalt zahlen wie männlichen.

Die BBC bot dem Publikum eine Liste von Firmen an, die ihrer Pflicht nachgekommen waren. Damit jeder und vor allem jede Interessierte nachschauen konnte, wie groß die Gender Pay Gap, der durchschnittliche, geschlechterbezogene Gehaltsunterschied, im eigenen Unternehmen war.

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Der Service wurde allgemein gut genutzt. Auch die BBC selbst hatte, natürlich, ihre Zahlen eingereicht. Wenn man auf ihrer Webseite in die nationale Firmenliste eingab "BBC Public Service Broadcasting", tauchte die Zahl 7,6 auf: Frauen verdienten also im Durchschnitt 7,6 Prozent weniger als Männer im öffentlich-rechtlichen Fernsehen des Vereinigten Königreichs.

Das sei alles andere als vorbildlich, ließ der Sender wissen, betonte aber, dass sich die Lage gebessert habe: 2017 seien es noch 17 Prozent gewesen, und 2018 immer noch knapp zehn Prozent. "Die Gender Pay Gap dieses Unternehmens ist damit niedriger als der Durchschnitt aller Unternehmen in Großbritannien", stand da noch.

Der Moderator, der am meisten verdiente, bekam mehr als vier Mal so viel wie die am besten verdienende Frau

Im Frühjahr 2019 also lag der größte Ärger, dachte man bei der BBC, in der Vergangenheit. Jetzt konnte es, wie die Zahlen zeigten, nur besser werden. Denn zwei Jahre zuvor hatte es einen Aufschrei gegeben: Im Sommer 2017 hatte die BBC eine eigene Liste veröffentlicht: jene der am besten verdienenden Moderatoren. Die sieben mit den höchsten Gehältern waren Männer.

Der Moderator, der am meisten verdiente, Chris Evans, bekam mehr als vier Mal so viel Gehalt wie die am besten verdienende Frau, Claudia Winkleman.

BBC-Direktor Tony Hall zeigte sich zerknirscht und sagte, das müsse besser werden. Aber es wurde nicht besser.

Im Januar 2018 trat die für China zuständige Auslandsredakteurin Carrie Gracie zurück; sie fühlte sich im Vergleich zu Kollegen unterbezahlt. Einige männliche Stars zeigten sich daraufhin bereit, auf Teile ihres Gehalts zu verzichten. Dem Ruf der BBC als frauenfeindlichem Arbeitgeber half das nicht. Der Sender einigte sich mit Gracie, sie kehrte in die Redaktion zurück.

Eine Folge daraus, auch nicht gerade gut für das Image, war eine Untersuchung: Die Gleichheits- und Menschenrechtskommission des Vereinigten Königreichs, eine unabhängige Organisation, begann eine Prüfung, ob der renommierte Sender etwa Frauen bei den Gehaltszahlungen diskriminiere. Die BBC reagierte unter anderem damit, dass sie einen eigenen Report herausgab: Im Juli 2019 erschien der "Gender Pay Gap Report", sehr hübsch aufgemacht, mit vielen Grafiken. Es wurde betont, dass die BBC, im Vergleich zu anderen britischen Fernsehsendern, die niedrigste Lücke bei den Gehältern habe, das man bestimmte Zusatzzahlungen und Boni, die das Bild verfälschten, abschaffen wolle, und dass dem Management die Bedeutung von Gleichberechtigung auch in Gehaltsfragen sehr wohl bewusst sei. Dann kam der Oktober.

"The BBC doesn't do equal pay"

Die Moderatorin Samira Ahmed hatte den Sender verklagt - auf gleiche Bezahlung wie ein Kollege. Sie verlangt etwa 750 000 Euro als Ausgleichszahlung für entgangenen Lohn, weil Jeremy Vine, der eine vergleichbare Show mit vergleichbarem Aufwand und gleicher Reichweite moderiere, nicht nur besser bezahlt werde als sie, sondern in der Vergangenheit auch weit mehr Entwicklungsmöglichkeiten und Angebote bekommen habe.

Als sie vergangene Woche vor Gericht erschien, eine Reihe von Kolleginnen zur Unterstützung im Schlepptau, erklärte sie, sie habe das Thema natürlich bei ihren Vorgesetzten vorgebracht. Die Antwort sei gewesen: "The BBC doesn't do equal pay", also: Die BBC zahlt Frauen und Männer nicht gleich. Vor Gericht argumentiert die BBC nun, die beiden Sendungen seien eben nicht vergleichbar, Ahmed moderiere ein "Nischenprogramm". Dabei hatte Ahmed, deren Klage vom Journalistenverband unterstützt wird, schon einmal gegen ihren Arbeitgeber geklagt - und gewonnen: Damals ging es darum, dass sie für einen Job beim Radio die Hälfte dessen bekam, was ihr männlicher Kollege verdiente.

Und weil das alles noch nicht unangenehm genug ist, passierte dann noch das: Aufgrund eines Versehens enthielten die Gerichtsakten, die Samira Ahmed einsehen konnte, eine Liste mit den Namen von 120 Frauen, Gehalt und Jobbeschreibungen. Sie alle hatten 2017 einen Brief unterschrieben, in dem sie die Gehaltspolitik im Sender anprangerten. Die BBC beruhigte: Nicht all diese Frauen hätten die BBC auch verklagt.

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