Großbritannien:BBC baut ab

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Großbritannien: Hauptquartier der angeschlagenen BBC in London.

Hauptquartier der angeschlagenen BBC in London.

(Foto: Carl Court/Getty Images/Getty Images)

Die britische Sendeanstalt legt ihre Sender zusammen - und streicht siebzig Stellen.

Von Cathrin Kahlweit

Die BBC hat derzeit so viele Probleme und so viel Ärger, dass man meinen könnte, bei dem Riesenladen käme es auf 70 Stellen, die demnächst wegfallen sollen, gar nicht mehr an. Aber weil es 70 Positionen in zwei Prestigeprojekten des Senders sind, nämlich bei BBC News und BBC World, schlägt die Sache trotzdem hohe Wellen. Die simple Nachricht geht so: Die BBC legt zwei wichtige Nachrichtensender zusammen und streicht Dutzende Stellen in London. Ein neuer Sender mit dem Namen BBC News soll ab 2023 an den Start gehen und tagsüber aus London, nachts aus Washington und Singapur betreut werden.

Es ist nur eine von vielen Sparmaßnahmen, die als Zugewinn an Modernität gepriesen werden. Der Sender bezeichnet die Fusion der zwei renommierten News-Produkte als "Optimierung", die "den größtmöglichen Nutzen aus der Lizenzgebühr zieht und mehr für das Publikum liefert". Was man so sagt, wenn das Geld knapp ist. Die BBC befindet sich seit Jahren in einem existenziellen Streit mit der konservativen Regierung in London, die am liebsten das Gebühren- durch ein Abonnementmodell ersetzen und die BBC unter politische Kuratel stellen würde.

Die weitreichendste Reform, nach der säumige Lizenzzahler nicht mehr juristisch hätten verfolgt werden sollen, konnte gerade noch abgewendet werden. Jeder Brite, der die BBC nutzt, muss eine Jahresgebühr von knapp 200 Euro zahlen; wäre dieser Vorstoß der (scheidenden) Regierung Johnson umgesetzt worden, fürchtete das BBC-Management, dann hätten Millionen womöglich ihre Gebühren schlicht nicht mehr bezahlt. Trotzdem muss der Sender aktuell 337 Millionen Euro einsparen, weil Kulturministerin Nadine Dorries die Gebühren eingefroren hat.

Etwa 1200 Mitarbeiter verließen die BBC in den vergangenen zwei Jahren

BBC-Digitaldirektorin Naja Nielsen begründete die Fusion damit, dass sich das Medienverhalten der Nutzer rapide ändere, Millionen Menschen verfolgten heutzutage die Live-Berichterstattung im Netz. "Deshalb investieren wir in neue Möglichkeiten zur Berichterstattung über aktuelle Nachrichten, und unser Nachrichtensender und unsere digitalen Teams werden Hand in Hand zusammenarbeiten, um dem Publikum im In- und Ausland den besten Journalismus zu bieten." BBC World wird, anders als BBC News, als Auslandssender vom Mutterhaus eigenwirtschaftlich betrieben und nicht aus Rundfunkgebühren finanziert; die internationale Version soll sich aus Werbeerlösen tragen, da die TV-Lizenz nur für ausschließlich in Großbritannien empfangbare Sender genutzt werden darf.

Etwa 1200 Mitarbeiter sollen die BBC allein in den vergangenen zwei Jahren verlassen haben, weil die Stimmung so schlecht und die Kritik an der Arbeitsweise des legendären öffentlich-rechtlichen Senders so massiv ist. Zuletzt hatte sich Generaldirektor Tim Davie öffentlich in den Staub werfen müssen, als bekannt geworden war, dass sich der BBC-Reporter Martin Bashir für sein legendär gewordenes Interview mit Lady Diana von 1995 auf unlautere Weise Zugang zur Prinzessin verschafft hatte. Auch das Verhältnis zum Königshaus, insbesondere zu Thronfolger William und seinem Bruder Harry, soll schwer beschädigt sein. Da ist es fast die einzige gute Nachricht, dass immer noch 70 Prozent aller Briten die "alte Tante" für vertrauenswürdig halten.

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