Bayerischer Rundfunk Seehofer fühlt sich von Wilhelm "allein gelassen"

In dieser Kampfzone befindet er sich allerdings längst. Schärfste Kritik am Intendanten gehört in der CSU auf einmal fast schon zum guten Ton. Parteichef Seehofer gibt den Takt vor und viele Meinungsführer in der CSU folgen. Auffällig daran ist schon, wie massiv Seehofer zu Werke geht.

Es erinnert fast an die Gutsherrenart, nach der Politiker wie Roland Koch, CDU, beim ZDF einst reinholzten. An verletzter Eitelkeit kann es eigentlich nicht liegen. Anders als der sich nach jeder Kamera umdrehende Söder würde Seehofer solche Soap-Auftritte niemals machen. Er weigert sich auch, in Talkshows zu gehen, sein Konkurrent Markus Söder ist dort Stammgast. Es muss also grundsätzliche Unzufriedenheit mit dem BR dahinterstecken.

Die manifestierte sich in dieser Woche in einem zweiten Zusammenprall. Bei den umstrittenen Plänen für einen neuen Münchner Konzertsaal fühle er sich von Wilhelm "alleingelassen", klagte Seehofer. Das Projekt soll vor allem dem BR-Symphonieorchester dienen.

Seehofer ist auf hundertachtzig

Seit Seehofer praktisch ein Ende der schwierigen Standortsuche verkünden musste und einen Einstieg des Staates bei der städtischen Philharmonie im Gasteig verkündete, eskaliert die Lage. Wilhelm habe zwar stets Forderungen, knicke aber ein, sobald es Gegenwind gibt, moniert die CSU. Dass der BR-Chef sich dann in der eigenen Nachrichtensendung zu Wort meldete, von einer "großen Enttäuschung sprach" und staatsmännisch ankündigte, weiter für einen Konzertsaal zu werben, machte Seehofer erst richtig geladen. Was solche "Eigenwerbung" solle, blaffte er im Landtag BR-Reporter an.

Der CSU-Chef ist auf hundertachtzig. Er sei seit Jahren der einzige, der in der Angelegenheit felsenfest stehe, mokierte er sich vor einer Sitzung der CSU-Landtagsfraktion. Intern bekannt ist dagegen, dass Wilhelm immer wieder für den Konzertsaal geworben hat. Hinter verschlossenen Türen ging es dann weiter, so wie zuvor auch schon bei einer Sitzung des bayerischen Kabinetts.

Wilhelm müssten die Ohren geklungen haben. "Unerklärliche Stockfehler" seien Wilhelm in Sachen Söder und Konzertsaal passiert, wundert man sich an seinem alten Arbeitsplatz in der Münchner Staatskanzlei. Die Tilgung der Söder-Soap aus der BR-Mediathek sieht man dort nicht als juristisch geboten, sondern - ausgerechnet - als Erinnerung an Zeiten, als dem Sender beim Umgang mit der Satire Scheibenwischer Zensur vorgeworfen wurde. Im BR hört man dagegen auch die Meinung, dass die CSU es schlecht vertrage, wenn sich jemand selbstbewusst gegen sie stelle.

Parteimitglied ist Wilhelm immer noch. In dieser Woche hat er erklärt, dass er für eine weitere Amtszeit als Intendant kandidieren will.