Ehrung vom "Medium Magazin":Rollenvorbild für Generationen

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Die ehemalige "taz"- und "Frankfurter Rundschau"-Chefredakteurin Bascha Mika.

(Foto: Manfred Segerer/imago images)

Die Reporterin und Moderatorin Bascha Mika war Chefredakteurin der taz und der Frankfurter Rundschau - jetzt wird sie für ihr Lebenswerk geehrt.

Von Max Hägler

Der Ippen-Verlag hat sich strenge Regeln gegeben. Mit 66 Jahren muss jeder dort aufhören, selbst so eine wie Bascha Mika. Weisungsgemäß hat sich die Journalistin in diesem Jahr also zurückgezogen aus der Chefredaktion der Frankfurter Rundschau, die von Ippen verlegt wird. Ihr selbst wird es nicht gefallen haben. Journalisten, sagt sie, gehen nicht in Rente. Weil man Neugier und das Erklärstreben ja nicht einfach abschalten kann.

Jetzt ist Bascha Mika vom Medium Magazin zur Journalistin des Jahres gekürt worden. Die Auszeichnung erinnert daran, was für eine Vorkämpferin sie in vielerlei Hinsicht ist, nicht nur, aber auch in Fragen der Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau. Oder wie es in der Laudatio heißt: "Bascha Mika ist ein Rolemodel für Generationen im Journalismus geworden."

Das mag auch mit dem ständigen Blickwechsel zu tun haben, der vor zu einfachen Antworten bewahrt: Geboren in Polen, kam Bascha Mika mit fünf Jahren nach Deutschland. Sie ist gelernte Bankerin und studierte Philosophin. Sie ist Feministin, aber kritisiert Alice Schwarzer. Sie war bei der taz - und wurde 1998 zur Chefredakteurin dort. Ihre erste große Station, ihre größte. Und ebenfalls eine neue Perspektive: Als Kollegin wurde sie geschätzt für ihre Reportagen. Mit dem Tag der Ernennung zur Chefin ist sie von so ziemlich allen bekämpft worden. Zwei Co-Chefs fielen, sie blieb, die erste Chefredakteurin einer überregionalen Tageszeitung in Deutschland, und zwar lange: elf Jahre, in denen sie die taz professionalisierte: monothematische Schwerpunktseiten wurden eingeführt; der hintere Teil wurde Platz für "intelligente Unterhaltung" und inhaltlich ging es weiter raus aus der ganz linken Nische: Das Gespräch auch mit dem vermeintlichen politischen Kontrahenten führen, das machte sie zur Blattlinie.

In der taz war das nicht unumstritten: zu undemokratisch, zu feministisch, waren die Klagen. Oder mitunter auch das Gegenteil. "Es gibt ein frei flottierendes Bedürfnis in der Redaktion nach autoritären, aber unverbindlichen Gesten", beschrieb sie einmal die Erwartungshaltung von Journalisten an eine Chefredaktion. Ihre Arbeitsmethode: Wer Widerstand leistete, den bearbeitete sie mit freundlicher Hartnäckigkeit, stets aber ohne Eskalation, und zwischendrin war sie dauernd in Talkshows und entwickelte auch sich selbst zur Marke. Der Erfolg gab ihr recht: Die Abozahlen gingen nach oben, das kleine Blatt siegte im zuvor ewigen Überlebenskampf. Danach lehrte Mika Kulturjournalismus in Berlin, von 2014 an war sie dann auch wieder "Frau Chefredakteur" (so titelte die taz nach ihrem Abgang), jetzt eben bei der Frankfurter Rundschau. Über ihre nächsten Pläne ist noch wenig bekannt. Ausgeschlossen ist wohl nur das Rentnerdasein.

© SZ/tmh
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