Bambi-Verleihung 2011:Bushido wehrt sich - ein bisschen

Aber das will alles nicht so recht aus seinem Mund herauskommen. Stattdessen: Viele angefangene Sätze, wenig Sinn. Und ein bisschen wehrte er sich dann doch, auch wenn er das eigentlich gar nicht vorhatte: "Ich werde heute sicherlich nicht mehr das sagen, was ich vor zehn Jahren gesagt habe", versicherte der 33-Jährige, der mit seinem Hardcore-Rap immer wieder aneckte. "Und ich habe gelernt, dass das, was ich gesagt habe, falsch war."

Der Applaus im Saal schließlich: verhalten.

Eines hat die umstrittene Entscheidung der Bambi-Jury dem angestaubten Rehkitz jedoch gebracht: Aufmerksamkeit. Vor allem bei denen, die wahrscheinlich nicht mal darüber nachgedacht hätten, am Donnerstagabend Das Erste einzuschalten. Im Internet hagelte es Proteste, auf Facebook und Twitter formierte sich Protest. Auch Politiker und die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes hatten sich im Vorfeld der Show gegen die Preisvergabe ausgesprochen.

Mehr Einigkeit herrschte dagegen bei den vermeintlich wichtigen Kategorien: Die Bambis in der Kategorie "Film national" bekamen Jeanette Hain und Matthias Brandt. Justin Bieber, 17, Selfmade-Sänger aus Kanada, bekam das fünf Pfund schwere vergoldete Rehkitz als bester Entertainer. Er versuchte sich erst gar nicht an einer Rede, sondern dankte nur kurz.

Ein langer Abend, manchmal quälend lang

Für kurze Momente Peinlich-TV sorgte ARD-Neuzugang Kai Pflaume, der sich am roten Teppich vor der Halle in Wiesbaden unter die Bieber-Fans gemischt hatte. Die Mädchen zogen und zerrten am Frack des smarten Moderators und schrien auf die Frage, was sie tun würden, um Justin Bieber zu treffen, "alles, einfach alles" ins Handmikrofon. Zwei Teenager schafften es in den Saal und zu Justin auf die Bühne - der nahm sie gleich mit dahinter.

Für die wirklich ergreifenden Szenen allerdings sorgten an diesem Abend weder Schauspieler noch Entertainer, weder Journalisten noch Musiker. Es waren die verschiedenen Ehren-Bambis, die auch so manchem Prominenten die Tränen in die sorgfältig geschminkten Augen trieben. Die Ehrenamtlichen, die im Krieg Verwundeten und all jene, die Gutes tun und sich damit nicht in die erste Reihe schieben. Sie alle bewegten den Saal und die Menschen im Wohnzimmer. Ganz ohne großes Pathos, Skandale und lange Dankesreden.

Womit wir wieder beim Sitzfleisch wären. Auf 150 Minuten war die Live-Show angesetzt, es wurden schließlich gut 170. Das ist ein langer Abend, manchmal quälend lang. Die Laudatoren hörten sich gern selbst reden, auch so manches Dankeswort zog sich. 170 Minuten. Das ist wie ein reguläres Fußballspiel mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Und dann noch mal Verlängerung.

© sueddeutsche.de/ffu
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