Bambi-Verleihung in Berlin:Ein bisschen mehr Schwung

Ebenfalls im schultergestärkten Outfit erscheint Helene Fischer. Der aktuelle Superstar des deutschen Schlagers huscht auf dem roten Teppich noch zierlich in schillerndem Mausgrau zwischen den Kameras hindurch, um als Sängerin später in glitzerndem Feuerrot zu erscheinen und als Moderatorin in strahlendem Weiß mit üppigem Ausschnitt. Als Letztere verhaspelt sie sich leider ganz zum Schluss: "Meine Damen und Herren, das war der Echo 2013", werden die letzten Worte der live übertragenen Veranstaltung sein. Doch nach drei Stunden Show und einem Lebenswerk-Bambi für Udo Jürgens fällt das kaum noch jemandem auf. Ausgerechnet ihr, dem perfektinoniertesten aller Schlagersternchen, wird dieser kleine Fauxpas weniger egal sein als dem Publikum.

Weniger perfekt, dafür nicht minder erfolgreich ist eine Kollegin, der man das von außen so wohl nie zugetraut hätte: Andrea Berg, ebenfalls Schlagerstar, ebenfalls mit einem Bambi geehrt, ist allerdings nun schon so lange im Geschäft und dabei so unglaublich hartnäckig, dass ihre Fans gar nicht mehr anders können, als sie mit zehn Millionen verkauften Platten zur absoluten Königin der Schlagerwelt zu machen. Auf der Bühne trägt sie anstelle der üblichen schwarzen Lederstiefel ein romantisches blaues Kleid, das ihr ihre Plattenfirma spendiert hat und das auch viel besser zu ihrem Herzschmerz-Song passt. Dazu weint sie gleich mehrfach - unter anderem vor Rührung über den Preis.

Im Saal herrscht Konsenslaune

Doch auch für Nicht-Schlager-Fans hat der Bambi ein paar Preisträger parat, insgesamt sind es 17 an der Zahl. Das Gegenteil von heiler Welt lieferten Cindy aus Marzahn mit einem rührend unappetitlichen Auftritt und Olaf Schubert mit einem schreiend komischen Abriss über Kindererziehung. Leider bekam den Preis für die beste Comedy-Darstellung, im Netz abgestimmt von den Zuschauern und schön beißend moderiert von Barbara Schöneberger (die auch nicht vor Witzen auf Kosten Anwesender zurückschreckt), dann doch Puppenspieler Sascha Grammel. Mit einer eher unlustigen Bauchredner-Nummer, über die aber dann auch Hannah Herzsprung im Publikum herzlich lachen konnte. Schräger Humor ist eben weniger konsensfähig als derjenige, der niemandem wehtut.

Überhaupt ist der Bambi ausgerichtet am ganz großen Konsens, an möglichst massenkompatiblen Messages und Stars. Deshalb wurde auch unter anderem diesmal der Erfinder des "Tatort" ausgezeichnet, Gunther Witte. Zu einem Zeitpunkt, da es kaum noch eine Stadt in Deutschland gibt, auf die nicht irgendwelche neuen Ermittler gehetzt würden, da hat Bambi gemerkt, dass es sich doch um eine ganz passable Serie handeln muss. Bravo.

Immerhin: Nadja Uhl bekam den Bambi als beste Schauspielerin für ihren Film über Kinderprostitution ("Operation Zucker") und Tom Schilling wurde einmal mehr für "Oh Boy" geehrt, außerdem für "Unsere Mütter, unsere Väter" mit dem Bambi für den besten Hauptdarsteller. Schilling ist ohne Frage einer der herausragendsten Schauspieler des deutschen Films. Das ist er allerdings schon seit mindestens zehn Jahren. Merkwürdig, dass er ausgerechnet in diesem Jahr, wo er auch schon mit dem Deutschen und dem Bayerischen Filmpreis sowie dem Bayerischen Fernsehpreis geehrt wurde, auch noch den Bambi erhalten muss. Schließlich hätten mit Heino Ferch und Sebastian Koch durchaus weitere würdige Preisträger zur Auswahl gestanden. Schilling sah das ähnlich und entschuldigte sich in seiner Dankesrede fast dafür, Schauspieler geworden zu sein. Seine Mutter habe ihn dazu gedrängt.

Die Party danach

Nach der Show feierten die Bambi-Gäste die "Nacht der Stars" - aber nicht allzu lange. Denn Interviews waren nur bis kurz vor eins erlaubt, und danach machten sich mit den Journalisten auch die meisten Stars und Sternchen auf den Heimweg. Danach konnte dann die richtige Party starten - auf der Tanzfläche. Zwar ohne "Stars", höchstens noch ein Guido Cantz schob sich discofoxmäßig übers Parkett. Doch die anderen Arbeiter rund um den Bambi, die Filmproduzenten, Tontechniker und anderweitig Eingeladene, ließen im Glitzerfummel und schwarzen Smoking noch bis tief in die Nacht die Party-Luzie raus. Und weil eben in Berlin, trug so manche Filmarbeiterin dieselbe Frisur wie Miley Cyrus - mit dem Unterschied, dass man sie hier im Gegensatz zu Miley schon seit zehn Jahren trägt.

Fazit: Der diesjährige Bambi war doch tatsächlich etwas spannender als sonst, auch für die Fernsehzuschauer. Das lag unter anderem an einem prima gelaunten Robbie Williams, dem die grauen Haare gut zu Gesichte stehen, und der mit seinem Swing doch tatsächlich für mehr Schwung sorgte. Am Ende versprach er allen, die seine neue Platte kaufen würden, frech, er werde sie alle glücklich machen - und schwanger. Noch ein bisschen weniger Konsens und noch ein wenig mehr Esprit à la Schöneberger - und aus dem Bambi könnte glatt noch eine abendfüllende Veranstaltung werden.

© SZ.de/jasch/tob
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