Axel-Springer-Preis "Vorbildlich"

Mit dem Text "Warum der Feminismus mich anekelt" wurde die junge Autorin und Journalistin Ronja von Rönne bekannt. Mit ihrem jüngsten Auftritt ist sie nun zur Ex-Galionsfigur des Antifeminismus geworden.

Von David Denk

Dass ein Verlag einen Preis für junge Journalisten auslobt und sehr regelmäßig Autoren aus dem eigenen Haus damit bedenkt, ist so fürsorglich wie fragwürdig. Dass eine der Erwählten den Preis dann nicht haben will, ist . . . ja, was? Arrogant? Undankbar? Berechnend? Von allem etwas? Nicht für Marc Thomas Spahl, Direktor der Axel-Springer-Akademie: "Wir finden die selbstkritische Haltung, die dieser Entscheidung zugrunde liegt, vorbildlich", so sein kurioser Kommentar zum Verzicht der Welt-Autorin Ronja von Rönne auf den Axel-Springer-Preis 2016. Diese hatte sich zuvor von ihrem Text "Warum mich der Feminismus anekelt" distanziert - sooo eklig findet sie ihn, also den Feminismus, nun, ganze 13 Monate später, offenbar doch nicht mehr: Ihre "spontane Wutrede" sollte "kein lebenslanges Statement" sein, sagte sie und nannte einzelne Sätze "sehr missverständlich". Sie wolle keine "Galionsfigur des Antifeminismus" werden. Nun ist Rönne also offiziell Ex-Galionsfigur des Antifeminismus, und Springer könnte zum Dank für so viel Publicity von den freigewordenen 5000 Euro Preisgeld vielleicht 263 Exemplare ihres Debütromans bestellen.