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Autoshow:Bei "Top Gear" soll es bald wirklich um Autos gehen

Cate Blanchett ist schon Fan: Top-Gear-Moderator Matt LeBlanc (links).

(Foto: BBC)
  • An diesem Sonntag wird die erste Folge der neuen Staffel der erfolgreichsten Autosendung der Welt Top Gear ausgestrahlt.
  • Moderiert wird die Neuauflage von dem Schauspieler Matt LeBlanc und dem britischen DJ Chris Evans.
  • Sie wollen an den Erfolg der Show anknüpfen, ohne sie zu kopieren - es solle dieses mal wirklich "vor allem um die Autos" gehen, wie sie betonen.

Die wahre Popularität der Sendung, die er demnächst präsentieren würde, wurde Matt LeBlanc so richtig klar, als Cate Blanchett, immerhin Oscargewinnerin und Weltstar, ihn vergangenes Jahr am Flughafen ansprach: "Stimmt es, dass du demnächst Top Gear moderierst?", fragte Blanchett. "Könntest du nachfragen, ob ich da mal als Gast auftreten darf?"

Matt LeBlanc ist selbst nicht ganz unbekannt. Er spielte zehn Jahre lang die Rolle des etwas doofen, aber netten Joey Tribbiani in Friends, einer der beliebtesten Sitcoms aller Zeiten. Einen Vorgeschmack auf den Trubel, der ihn als Top Gear-Moderator erwartete, hatte er bereits bekommen, als er selbst als Gast in der früheren Version der BBC-Autoshow auftrat. 2012 brach er den Streckenrekord für einen "Prominenten in einem preiswerten Auto". "Bis dahin hatten mich Leute angehalten, weil sie mich aus Friends kannten", sagt LeBlanc, der mittlerweile ein bisschen so klingt und aussieht wie ein jüngerer Sylvester Stallone. "Nach dem Top Gear-Auftritt sprachen mich alle nur noch darauf an, dass ich diesen Rekord gebrochen hatte."

Eigentlich schien die Erfolgsgeschichte Top Gear schon beendet

Der leidenschaftliche Sportwagensammler LeBlanc und sein Mitstreiter, der britische DJ Chris Evans, haben sich in einem Londoner Hotel eingefunden, um über ihre Vorstellung davon zu plaudern, wie die erfolgreichste Autosendung der Welt künftig aussehen wird. Wenn die BBC an diesem Sonntag die erste Folge der neuen Staffel von Top Gear mit den Stargästen Gordon Ramsay und Jesse Eisenberg ausstrahlt, wird das Moderatorenduo LeBlanc und Evans das jüngste Kapitel einer Erfolgsgeschichte schreiben, die eigentlich schon beendet schien.

Vergangenes Jahr feuerte die BBC Jeremy Clarkson, der Top Gear 13 Jahre lang mit den Co-Moderatoren James May und Richard Hammond geprägt hatte. Clarkson hatte schon öfter kurz vor dem Rauswurf gestanden - immer wieder hatten Kritiker Rassismus, Sexismus und allgemeine Flegelhaftigkeit seiner Moderationen angegriffen. Aber unter ihm war Top Gear zum Top-Seller der BBC geworden. Etwa 50 Millionen Euro jährlich brachte der Verkauf der internationalen Rechte. Durchschnittlich 350 Millionen Menschen weltweit schalteten ein, wenn Clarkson, May und Hammond mit Helikoptern um die Wette flogen oder Kabinenroller umkippten.

So erfolgreich war die Show im politisch inkorrekten, testosterongesättigten Kumpelton, dass es schien, Clarkson könne sich alles erlauben. Selbst wenn er ein Auto als "ein bisschen schwul" abfertigte, Rumänien als "Zigeunerland" bezeichnete oder die Argentinier beleidigte, indem er bei einer Tour durch Patagonien ein Nummernschild verwendete, dessen Zahlen auf die Daten des Falklandkriegs anzuspielen schienen - er durfte weiter moderieren.

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Auch Evans führt ein Leben voller Allüren und Exzesse

Aber 2015 trieb er es dann doch zu weit und schlug einem Top Gear-Produzenten die Lippe blutig, weil ihm nach den Dreharbeiten kein Steak serviert worden war. Die BBC sah sich - trotz der von mehr als einer Million Fans unterzeichneten Petition zugunsten Clarksons - gezwungen, ihn zu entlassen. Der Online-Riese Amazon witterte eine Chance und verpflichtete das Trio für eine eigene Autoshow. Sie soll vom kommenden Herbst an unter dem Titel The Grand Tour im Streamingdienst von Amazon zur Verfügung stehen.

Das ist das Erbe, das LeBlanc und Chris Evans - der selber auf eine bunte Vergangenheit mit Starallüren und Alkoholexzessen zurückblickt - nun antreten. Beim Gespräch in London sagt Chris Evans, eine rothaarige, bebrillte Plaudertasche aus dem englischen Nordwesten, er verspüre zwar durchaus Erfolgsdruck und sei "sehr fokussiert", aber keinesfalls nervös. Das klingt anders als das, was von der Aufzeichnung der ersten Sendung durchsickerte, vor der er dem Publikum angeblich verriet, er mache sich vor Lampenfieber "in die Hose".