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Autosendung der BBC:"Top Gear": Es quietscht und qualmt wie eh und je

In der neuen Staffel von "Top Gear" ist US-Schauspieler Matt LeBlanc der Sidekick von Moderator Chris Evans.

(Foto: AP)

Die Kult-Autosendung startet in die Ära nach Jeremy Clarkson. Die neuen Moderatoren agieren holprig - sind aber sehr um Völkerverständigung bemüht.

Wie groß "Top Gear" wirklich ist, zeigte sich in den fast 40 Jahren, in denen das britische TV-Format schon existiert, nie in so extremer Form wie in den vergangenen 14 Monaten. Seit dem Rausschmiss des streitbaren Ex-Moderators Jeremy Clarkson im März vergangenen Jahres - und der kurz darauf verkündeten freiwilligen Abdankung der Co-Moderatoren Richard Hammond und James May - schaffte es die Show, sich kontinuierlich in der Berichterstattung zu halten. Das ist verwunderlich, schließlich war das Format in diesem Zeitraum überhaupt nicht auf Sendung. Doch die britische Presse griff gierig jede Meldung, jede Halbwahrheit, jedes Gerücht über "Top Gear" auf.

Wer all das las und womöglich glaubte, konnte nur zu einem Schluss kommen: Das neue "Top Gear" muss scheitern, und zwar mit großem Knall. Der neue Gastgeber, Radiomoderator Chris Evans? Der hat ein paar Ferraris und kann womöglich sogar ganz anständig Auto fahren. Er ist mindestens so unverfroren und unhöflich wie Clarkson, hat dabei aber sein Publikum nicht im Griff.

Sein Sidekick Matt LeBlanc? War damals in der Sitcom "Friends" ganz lustig, aber er nuschelt und stellt sich wirklich dilettantisch an beim Versuch, vom Schauspieler zu Moderator umzuschulen. Außerdem ist er Amerikaner. Sabine Schmitz, eines von vier weiteren Mitgliedern des Moderations-Teams, ist sogar Deutsche. Eine ordentlich dekorierte Rennfahrerin, eine durchaus sympathische noch dazu. Aber muss dieser Akzent wirklich sein? Und warum müssen sich ihre Beifahrer ständig übergeben?

Look and Feel von früher

Natürlich wird der Nachfolger von etwas, dass den Stempel "Kult" auf sich trug, immer besonders kritisch betrachtet. Doch die erste Folge der neuen "Top Gear"-Staffel, die am Sonntagabend in Großbritannien ausgestrahlt wurde, zeigte recht schnell, dass die Skepsis übertrieben war. In Wahrheit macht die Sendung vieles genauso oder zumindest sehr ähnlich wie zuvor. Die Titelmelodie ist bekannt, auch das Logo der Sendung hat sich ins Jahr eins nach Clarkson/May/Hammond gerettet. Ebenso das Studio. Selbst der Teaser, der die Themen der Sendung zusammenfasst, entstand nach der gleichen Machart wie früher.

Alles ist so gewohnt, dass man tatsächlich kurz überrascht ist, eben nicht den schnodderig-nonchalanten Clarkson die Begrüßungsworte sprechen zu hören, sondern den blonden Brillenträger Evans. Der kann seine Nervosität kaum verbergen, und es ist ihm anzumerken, dass er zum Zeitpunkt der Aufzeichnung wusste oder zumindest ahnte, wie viele Menschen diesen Moment kritisch beäugen würden und wie viel für die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt BBC davon abhängen würde. Der kurz danach auftretende LeBlanc hat es einfacher: Von ihm erwartet die Welt einen holprigen Auftritt - und sie bekommt ihn auch.

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PS- und Geschwindigkeits-Völlerei

Doch "Top Gear" hat sich nie mit einer ausgedehnten Anfangsmoderation aufgehalten. Mit einem Beitrag über die Dodge Viper ACR startet eine erstaunlich US-lastige Sendung. Gedreht wurde in Nevada - dort, wo die amerikanischen Navy-Kampfpiloten ausgebildet werden. Über die wurde in den Achtzigern ein nicht ganz unbedeutender Film gedreht: "Top Gun". Kein Wunder, dass der Film mit ein paar Filmzitaten garniert wird. Das hätte das alte Moderatoren-Trio wohl genauso gemacht. Auch sonst fühlen sich "Top Gear"-Fans heimisch in diesem Beitrag: Chris Evans startet mit kindlicher Vorfreude auf seinen Trip, betet ein paar technische Daten herunter und bekommt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Der Look der Bilder ist wie früher (mit der Farbkorrektur sind die "Top Gear"-Macher noch nie sparsam umgegangen), der Bildschnitt ist genauso schnell, das getestete Auto wird in den Standaufnahmen aus vorteilhaften Perspektiven gezeigt.

Wenn sie fährt, dann beschleunigt oder bremst die Viper besonders heftig. Natürlich fährt sie nicht normal um Kurven, sondern vornehmlich im Drift. Es ist genau jene PS- und Geschwindigkeits-Völlerei, die "Top Gear" in der Clarkson-Ära bot und die die Zuschauer dieser Sendung sehen wollen.Nur scheint Evans nicht so absolut und unerbittlich in seinem Urteil über das Auto zu sein. Eigentlich fällt er gar keins. Bei Clarkson wurde ein Auto entweder gefeiert oder vernichtet, was sicher eines der Erfolgsgeheimnisse der Sendung war. Man darf gespannt sein, ob die Macher weiterhin auf dieses Stilmittel verzichten.

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