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Autor der "Game of Thrones"-Vorlage:Scarlett ist nicht gleich Scarlett

Aber die Serie unterscheidet sich von den Büchern, was Martin in einer herrlichen Analogie auf Vom Winde verweht bei der Comic-Con im vergangenen Jahr darlegte: "Scarlett O'Hara hat drei Kinder im Roman von Margaret Mitchell. Sie hat ein Kind im Filmklassiker Vom Winde verweht. Die Wahrheit ist, dass Scarlett O'Hara überhaupt kein Kind hatte - denn sie hat niemals existiert. Sie ist eine fiktive Figur, und es gibt zwei wunderbare Arten, diese Geschichte zu erzählen." Auf sein Universum übertragen sagte er: "Die Show ist die Show, und das Buch ist das Buch."

Nur - und das beunruhigt die Leser der Bücher gerade: Es ist durchaus möglich, dass die Fernsehserie künftig Handlungsstränge aus Martins fiktivem Universum andeutet, die auf Papier noch gar nicht erschienen sind. Grund dafür ist eine Aussage der Showrunner David Benioff und D. B. Weiss: "Wir haben uns mit ihm ( Martin; Anm. d. Red.) getroffen und darüber unterhalten, wohin sich das alles entwickeln wird. Wenn du das Ende kennst, dann kannst du das Fundament dafür errichten - also wollten wir wissen, wie das alles ausgehen wird. Wir sind tatsächlich jeden einzelnen Charakter durchgegangen."

Computerspiel "Game of Thrones"

Jeder Mann muss sterben

Keine Codes mehr, keine Spielchen

Bislang haben die Leser die Fans der Sendung immer milde belächelt. Wenn Letztere über das Schicksal von Ned Stark oder die Ereignisse auf der Roten Hochzeit debattierten, waren den Lesern die Geschichten aus den Büchern längst bekannt. Könnte es nun also passieren, dass die Serie die Bücher überholt - und plötzlich die Zuschauer besser informiert sind? Martin selbst hatte zuletzt immer wieder entsprechende Andeutungen gemacht.

Konkretes gab er zwar nicht preis, sondern verkündete lediglich, beim Erscheinungsdatum des nächsten Buches keine Codes verwenden zu wollen, die seine Fans zu dechiffrieren haben: "Wenn ich fertig bin, dann werde ich sagen, dass ich fertig bin - an welchem Tag das auch immer sein wird. Es wird keine Spielchen geben, weil ich weiß, wie viele Menschen warten und wie gespannt sie sind. Ich arbeite noch immer an Winds. Wenn ich fertig bin, dann werde ich das verkünden."

Er lässt sich nicht unter Druck setzen, weder von Fans noch von seinem Verlag. Kürzlich tauchte ein Manuskript von "A Dance With Dragons" auf, auf dem der Lektor schriftlich eine Vermutung anstellt und Martin fragt, ob diese zutreffe. Die knappe Reaktion des Autors - vermerkt mit rotem Stift: "Nein". Die Fans dürfen also weiter über die Geschehnisse in Westeros und Essos spekulieren. Und sie können nichts anderes tun, als Martin dazu aufzufordern, doch gefälligst schneller zu tippen.

Das tut er natürlich, doch nicht immer geht es dabei um Tyrion Lannister oder Daenerys Targaryen. Vor einer Woche etwa beschwerte er sich heftig über eine Schiedsrichterentscheidung beim Football. "Wenn ich ein Fan der Detroit Lions wäre, dann würde ich nun Zeter und Mordio brüllen", schrieb er auf seinem Blog. Irgendwie schön zu sehen, dass der Mann nicht in einer dunklen Kammer hockt und kurz vor dem Burn-out an den nächsten Kapiteln arbeitet, sondern sein Leben genießt und sich wie alle Sportfans über Schiedsrichter aufregt - so lange er auch weiter an "The Winds of Winter" arbeitet.