US-Politiker rastet aus Drohung im Mafia-Stil

"Ich hätte meine Gefühle besser unter Kontrolle haben müssen." Dem US-Kongressabgeordneten Michael Grimm ist ein schwerer Ausraster unterlaufen.

Ein US-Politiker droht einem Reporter nach einem Interview, ihn vom Balkon des US-Kapitols zu werfen. Aber die Kamera läuft noch. Zu dumm für den republikanischen Kongressabgeordneten Michael Grimm.

Auf vielen Bildern hat er ein Lächeln auf den Lippen, als hätter er seine Zähne mit Vaseline poliert: Michael Grimm, Kongressabgeordneter in Washington, wird in den Medien gerne mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht gezeigt. Und das, obwohl der Politiker zuletzt weniger Grund zur Freude hatte - das FBI ermittelt gegen ihn seit geraumer Zeit. Ein aktueller Vorfall scheint nun zu belegen, dass diese Nachforschungen dem Republikaner mehr zusetzen als es nach außen hin den Anschein hat.

Grimm, der den Bundesstaat New York im US-Repräsentantenhaus vertritt, soll seine Wahlkampagne 2010 aus illegalen Spenden finanziert haben. Seinem früheren Fundraiser, dem israelischen Staatsbürger Ofer Biton, wird vorgeworfen, Spenden von Sponsoren angenommen zu haben, denen im Gegenzug eine Greencard versprochen worden sei. Auch Grimms Ex-Freundin soll laut US-Medien in den Fall verwickelt sein.

Als am Dienstag der lokale US-Fernsehsender NY1 Grimm interviewte und die Angelegenheit ansprach, kam es zum Eklat. Reporter Michael Scotto hatte aus Sicht Grimms offenbar falschen Frage gestellt.

Nachdem Scotto das Interview bereits beendet und ins Studio zurückgegeben hatte, machte Grimm seinem Ärger Luft, und zwar handfest: Er drohte dem Reporter an, ihn vom Balkon zu schmeißen. "Ich mach' aus Dir zwei Hälften - Du Halbwüchsiger", herrschte er den Journalisten an.

Allgemeines Nachdenken über den Ton in der Politik

Eine unerhörte Drohung in den heiligen Hallen des Kapitols in Washington, wo das Interview kurz nach Präsident Obamas Rede zur Lage der Nation geführt worden war. Grimm schien kurzfristig in seine alte Rolle des FBI-Beamten zurückgefallen zu sein, der vorübergehend auch in New Yorker Mafiakreisen ermittelt haben soll.

Dort laufen die Dinge an der Öffentlichkeit oft vorbei, doch in diesem Fall wurde die Kamera Zeuge des Ausfalls, was jetzt dazu führt, dass der Vorgang in etlichen US-Newsportalen für jedermann nachzuverfolgen ist.

Diese Aufnahmen bringen Grimm nun unter Druck: Der bedrohte Reporter Scotto sagte zu CNN zwar, er hätte den Angriff nicht persönlich genommen. Er habe so etwas zwar noch nie erlebt, doch Grimms Äußerungen seien seiner Meinung nach nicht ernst gemeint gewesen.

Dennoch erregten die unverblümten Drohworte des Politikers großes Aufsehen. Einige Kommentatoren nahmen das Geschehen zum Anlass, um darüber nachzudenken, was für ein Ton in der Washingtoner Politik hinter verschlossenen Türen angeschlagen wird.

Zumindest die Kontrahenten Grimm und Scotto scheinen sich inzwischen aber beruhigt zu haben: Nachdem der Politiker zunächst noch versucht hatte, sein Verhalten zu rechtfertigen, ruderte er schließlich zurück: "Ich habe einen Fehler gemacht", ließ er mitteilen. "Ich hätte meine Gefühle besser unter Kontrolle haben müssen. Ich habe mich inzwischen bei Herrn Scotto entschuldigt, und er hat das großzügig akzeptiert. Wir werden demnächst gemeinsam zu Mittag essen."