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Ausbau zur Online-Videothek:Privatsender greifen YouTube an

Deutsche Privatsender wehren sich gegen Ausbaupläne der Videoplattform YouTube. Die Kritik: Die Google-Tochter agiere zunehmend aggressiv und bewege sich dabei außerhalb des Regulierungsrahmens. YouTube erwägt unter anderem, eigene Kanäle zu starten.

Seit einigen Wochen können Nutzer auf YouTube Spielfilme in voller Länge schauen - und das ist nur eine von vielen geplanten Neuerungen. Die Google-Tochter strebt einen massiven Ausbau ihres Angebots an. Deutsche Privatsender kritisieren nun die Entwicklung zur Online-Videothek.

YouTube

Ein YouTube-Screenshot zeigt Hollywood-Star George Clooney. Seit einigen Wochen bietet die Online-Plattform Spielfilme in voller Länge an.

(Foto: Screenshot)

Die Plattform agiere zunehmend aggressiv, sagte der Vorstand des TV-Konzerns ProSiebenSat.1, Conrad Albert, dem Magazin Der Spiegel. Er bewege sich dabei "außerhalb unseres Regulierungsrahmens".

Der Ärger der Fernsehmacher rührt auch daher, dass die Pläne von ProSiebenSat.1 und RTL für eine gemeinsame Videoabrufplattform durch eine gerichtliche Entscheidung gestoppt wurden. Die Begründung für das Urteil lautete, eine solche Plattform hätte "das marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung" verstärkt.

"Es ist absurd. Alle rufen laut nach nutzerfreundlichen Angeboten - uns wird genau dies zum Vorteil von Google untersagt, das die Lücke natürlich zu füllen weiß", sagte der Bereichsleiter Medienpolitik bei RTL, Tobias Schmid.

Für Verstimmung sorgen auch Pläne der Google-Videotochter, eigene Kanäle zu starten. YouTube buhlt demnach um deutsche TV-Produzenten, die exklusive Inhalte beisteuern sollen und dafür im Gegenzug von YouTube vermarktet werden.

Die Videoplattform YouTube hat den Vorwurf zurückgewiesen, mit dem Angebot von Spielfilmen klassischen Sendern unmittelbar Konkurrenz zu machen. "Wir machen kein Fernsehen und lizenzieren dafür auch keine Inhalte. Die Filme stellen die Anbieter selbst bei uns ein", sagt eine Sprecherin von YouTube. Und weiter: "Wir sind nach wie vor nur eine technologische Plattform." Auch ProSiebenSat.1 könne seine Inhalte auf YouTube verbreiten. "Wir laden jeden Content-Anbieter dazu ein."

© Süddeutsche.de/dapd/rtr/mika
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